Generalisierung in der Expositionstherapie

Die Therapie einer Spinnenphobie wirkt auch gegen andere Ängste, fanden Psychologen der Ruhr-Universität Bochum heraus.

Spinnen lösen bei vielen Menschen Ekel oder gar Angst aus, und wer Angst vor Spinnen hat, fürchtet sich oft auch vor anderen Tieren wie Ratten, Schlangen oder Schaben. Experten sprechen von einer Furchtgeneralisierung. Psychologen der Ruhr-Universität Bochum gingen in einer aktuellen Studie der Frage nach, inwiefern die erfolgreiche Therapie einer spezifischen Phobie sich auch positiv auf andere Ängste auswirken kann.

Expositionstherapie

Um das zu untersuchen, teilten sie ihre 47 Versuchspersonen, die gleichermaßen Angst vor Spinnen und vor Schaben hatten, nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen ein: Während eine Gruppe sofort ein Konfrontationstraining mit Spinnen durchlief, mussten die übrigen Probanden noch warten. Vor und nach der Behandlung befragten die Forscher die Teilnehmer nach ihrer Angst und testeten ihr Verhalten und ihre körperliche Stressreaktion.

Weniger Angst und Ekel

Es zeigte sich, dass die Personen der ersten Gruppe im Anschluss an die Behandlung von weniger Angst und Ekel vor Spinnen berichteten als die Teilnehmer der Wartekontrollgruppe, die noch keine Behandlung erhalten hatten. Zudem traten in dieser Gruppe nach der Therapie auch weniger Ängste vor Schaben auf. Diese Angstreduktion war ebenso auf der Verhaltens- und der biologischen Ebene nachweisbar: Die Probanden zeigten weniger Abwehr gegenüber Schaben und weniger körperliche Stressreaktionen wie Herzklopfen während der Konfrontation mit den Insekten.

Konfrontation ist die beste Strategie


Da dieser Effekt eintrat, obwohl Schaben während der Therapie nie präsentiert worden waren, gehen die Wissenschaftler davon aus, dass eine Konfrontationsbehandlung bei spezifischer Angst auch im Umgang mit anderen ähnlich angstauslösenden Reizen und Objekten helfen kann. In weiterführenden Studien wollen sie nun untersuchen, wie man den Prozess der Generalisierung im Rahmen der Konfrontation gezielt verstärken kann.

Literatur
Preusser, F., Margraf, J. & Zlomuzica, A. (in press). Generalization of extinguished fear to untreated fear stimuli after exposure [Abstract]. Neuropsychopharmacology.


27. Juli 2017
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Foto: © miniformat65 – pixabay.com



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