Geräuschmassage verbessert Schlafqualität

Wissenschaftler der Eberhard Karls Universität Tübingen entwickelten eine einfache und nicht-invasive Methode, um sowohl die Schlafqualität als auch die Gedächtnisleistung zu verbessern.

Etwa ein Drittel ihres Lebens verbringen die Menschen schlafend. Doch Schlaf ist nicht gleich Schlaf: Die Wissenschaft unterscheidet insgesamt fünf verschiedene Phasen, die sich abwechseln: Neben der Traumschlafphase sind das die Einschlafphase, der leichte Schlaf, der mittlere Schlaf und der Tiefschlaf. Nicht alle Phasen sind in ihrer Funktion eindeutig geklärt. Die langsamen Hirnwellen, die beim Menschen im Tiefschlaf auftreten, scheinen jedoch eine wesentliche Bedeutung für die Speicherung von neu gelernten Inhalten ins Gedächtnis zu haben. Wissenschaftler der Eberhard Karls Universität Tübingen untersuchten in Zusammenarbeit mit der Universität Lübeck nun, wie sich die menschliche Hirnaktivität in dieser Schlafphase beeinflussen lässt.
Die Forscher untersuchten insgesamt elf Versuchspersonen über mehrere Nächte im Schlaflabor. Dabei wurden diese Geräuschstimulationen mit unterschiedlichem Rhythmus ausgesetzt. Zum Teil waren diese mit dem Rhythmus der langsamen Hirnwellen des Tiefschlafs, den sogenannten Deltawellen, synchronisiert. In diesen Fällen traten die akustischen Stimuli zeitgleich mit den langsamen Hirnstromwellen während des Tiefschlafs auf: Sie wurden immer genau dann präsentiert, wenn die langsame Hirnwelle ihren Höhepunkt erreichte.
Es zeigte sich, dass dadurch die Schwingung verstärkt werden konnte, was dazu führte, dass die Schwingungsamplitude größer war und insgesamt länger anhielt. Zudem verbesserte eine synchronisierte Stimulation die Gedächtnisleistungen der Porbanden: In diesen Fällen konnten sich die Studienteilnehmer am Morgen besser an Wortpaare erinnern, die sie am Abend zuvor gelernt hatten. Nach einer Stimulation hingegen, die nicht in Phase mit dem Rhythmus der langsamen Hirnaktivität war, konnte keine Verbesserung festgestellt werden.
Die Wissenschaftler vermuten, dass ihr Ansatz allgemein zur Verbesserung des Schlafs eingesetzt werden könne. Da es sehr einfach sei, das Gehirn mit Geräuschen geringer Lautstärke zu stimulieren, sei der Ansatz sowohl praktisch als auch ethisch von Vorteil – vor allem im Vergleich mit beispielsweise einer elektrischen Stimulation. Zudem nehmen die Forscher an, dass sich auf ähnliche Art und Weise eventuell auch weitere Rhythmen im Gehirn verstärken ließen, die für bestimmte Hirnfunktionen wichtig seien, beispielsweise auch solche, die im Wachzustand aufträten und für die Regelung der Aufmerksamkeit zuständig seien.

Literatur
Ngo, H.-V. V., Martinetz, T., Born, J. & Mölle, M. (in press). Auditory closed-loop stimulation of the sleep slow oscillation enhances memory. Neuron.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Foto © AndYaDontStop / flickr.com unter CC BY 2.0

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