Große Buchstaben verstärken Emotionseffekte

Je größer die Schrift einer Botschaft, desto stärker ihre emotionale Wirkung. Psychologen der Humboldt-Universität zu Berlin und der Georg-August-Universität Göttingen untersuchen in einer aktuellen Studie den Einfluss der Schriftgröße auf den Emotionseffekt.

In unserer komplexen Umgebung konkurrieren stets unterschiedlichste Sinnesreize um unsere Aufmerksamkeit. In verschiedenen Studien konnte gezeigt werden, dass es vor allem emotionale Reize – beispielsweise Bilder von emotionalen Gesichtsausdrücken oder solche, die Angst, Ekel oder Sexualität ansprechen – sind, die bevorzugt verarbeitet werden. Erklärt wurde dieser Effekt durch die intrinsische biologische Relevanz die solchen Reizen zu eigen ist. Zusätzlich konnte beobachtet werden, dass die gefühlsmäßige Wirkung von Bildern mit deren Größe gesteigert werden kann. Psychologen der Humboldt-Universität zu Berlin und der Georg-August-Universität Göttingen untersuchten diesen Effekt nun in Bezug auf emotionale Wörter.
Im Rahmen ihrer Studie legten sie ihren 25 Versuchsteilnehmern 72 Substantive mit positiver, negativer oder neutraler Bedeutung vor und erfassten die Gehirnaktivität mit Hilfe der Elektroenzephalographie (EEG).
Es bestätigte sich der Effekt von emotionalen Wörtern – wie beispielsweise Mutter, Sarg oder Lust. Diese ziehen im Vergleich zu neutralen Wörtern – wie zum Beispiel Löffel oder Dokument – mehr Aufmerksamkeit auf sich.
Zusätzlich manipulierten die Psychologen in ihrem Experiment die Schriftgröße der präsentierten Begriffe. Das erstaunliche Ergebnis: Die beobachteten Emotionseffekte im EEG ließen sich deutlich verstärken, wenn die Wörter in großer Schrift präsentiert wurden. Die spezifische Hirnaktivierung begann zeitiger und hielt länger an als bei Wörtern in normaler Größe. Dies deutet auf eine Potenzierung der Aufmerksamkeit aufgrund der höheren Schriftgröße hin.
Die Forscher schließen aus diesem Befund, dass die durch Emotionen gesteuerte Lenkung der Aufmerksamkeit nicht zwangsläufig auf der biologischen Relevanz eines Reizes beruhen muss. Offenbar kann Sprache, obwohl sie erst entziffert und übersetzt werden muss, einen ähnlichen Effekt hervorrufen. Ein Hinweis darauf, dass die Schriftsprache heutzutage eine wichtige Quelle für emotionale Bedeutung sein kann.
Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass diese verstärkte Aufmerksamkeit ursächlich dafür verantwortlich sein könnte, dass emotionale Botschaften in Schlagzeilen der Boulevardpresse und in der Werbung so wirkungsvoll sind.

Literatur
Bayer, M., Sommer, W. & Schacht, A. (2012). Font size matters – Emotion and attention in cortical responses to written words. PLoS ONE 7 (5), e36042. doi:10.1371/journal.pone.0036042. 

 

Quelle: Humboldt-Universität zu Berlin