Großer Aufwand - große Erwartung

Psychologen der Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn untersuchten den Effekt von Anstrengung auf die Belohnungsverarbeitung im Gehirn.

Wer hart arbeitet, sollte auch entsprechend dafür belohnt werden. Das klingt logisch. Auch scheint es sinnvoll, dass die Höhe der Belohnung umso wichtiger wird, je mehr Anstrengung erforderlich ist, um sie zu bekommen. Inwiefern sich das Verhältnis von Aufwand und Nutzen auch im Gehirn widerspiegelt, prüften Psychologen vom Center for Economics and Neuroscience (CENs) der Universität Bonn in einer experimentellen Studie.
Zusammen mit Kollegen der Universität Düsseldorf untersuchten die Wissenschaftler mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomografie die Hirnaktivität von insgesamt 28 Probanden. Diesen wurden im Hirnscanner mathematische Aufgaben präsentiert, die sich im Schwierigkeitsgrad unterschieden: Sie waren entweder sehr schwer zu lösen, sehr leicht, oder aber sogar schon gelöst. Bei korrektem Ergebnis erhielten die Probanden jeweils eine Belohnung in der Höhe von fünf bis 35 Euro. Die Höhe der Belohnung war allerdings nicht an den Schwierigkeitsgrad der Rechenaufgabe angepasst, sondern rein zufällig gewählt. Zudem waren die Probanden zu einer – in ihrer Höhe ebenfalls zufällig gewählten – wohltätigen Spende verpflichtet, was im schlechtesten Fall einen kompletten Verzicht auf eine Entlohnung bedeutete. Es war daher zu erwarten, dass die Probanden mitunter von der Höhe ihrer Belohnung enttäuscht sein würden. Die Wissenschaftler verfolgten während des Rechnens und Spendens die Aktivität in den Gehirnen ihrer Probanden.
Es zeigte sich, dass die Höhe der Belohnung ausschlaggebend für die Reaktion im Belohnungszentrum (dem anterioren cingulären Cortex und dem Nucleus accumbens) war – und zwar vorrangig dann, wenn vorher besonders schwere Aufgaben gelöst werden mussten. Ebenso hatte die Höhe der Spende vor allem bei hohem Arbeitsaufwand einen Einfluss auf das Signal in der Inselrinde, einer Hirnstruktur, die mit negativen Emotionen und Frustrationen in Verbindung gebracht wird.
Die Wissenschaftler schließen aus diesen Ergebnissen, dass die Höhe einer Belohnung tatsächlich umso wichtiger wird, je größer die nötige Anstrengung ist, um sie zu erreichen. Hingegen scheint ihr Umfang nicht so entscheidend, wenn der Aufwand gering ist.
Den Forschern zufolge, seien die Ergebnisse sehr relevant für die verhaltensökonomische Forschung. Denn anscheinend verhalten Probanden sich anders, wenn sie Geld geschenkt bekommen, als wenn sie sich dafür anstrengen müssen. Dies müsse in Versuchsanordnungen berücksichtigt werden.
Für das Wirtschaftsleben zeige das Experiment, dass mit Leistung auch klare Belohnungserwartungen verbunden sind.

Literatur
Hernandez Lallement, J., Kuss, K., Trautner, P., Weber, B., Falk, A., Fliessbach, K. (in press). Effort increases sensitivity to reward and loss magnitude in the human brain. Social Cognitive and Affective Neuroscience.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft