Großzügiger durch Oxytocin?

Das Hormon Oxytocin erhöht die Spendenneigung für humanitäre Projekte, nicht aber für ökologisch ausgerichtete Vorhaben. Dies zeigte eine Studie der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

Weihnachtszeit ist traditionell auch Spendenzeit: Verschiedenste Projekte und Organisationen werben um unsere Aufmerksamkeit und Unterstützung. Doch was beeinflusst unsere Entscheidung für oder gegen eine Spende? Forscher der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn untersuchten in einer aktuellen Studie, inwiefern das Bindungshormon Oxytocin in diesem Zusammenhang eine Rolle spielt. Ein hoher Oxytocin-Spiegel tritt beispielsweise bei frisch Verliebten, beim Sex oder beim Stillen auf und trägt zur Stärkung sozialer Bindungen bei. Frühere Studien hatten gezeigt, dass der Botenstoff Großzügigkeit prinzipiell fördert.

Laborexperiment mit realen Spendenprojekten

Im Rahmen eines Laborexperiments erhielten 172 Probanden jeweils zehn Euro. Sie konnten sich entscheiden, die Summe selbst zu behalten oder aber alles bzw. einen Teil zu spenden. Dabei standen zwei reale Spendenprojekte zur Auswahl: Ein ökologisches Projekt zur Regenwaldaufforstung im Kongo und ein soziales Vorhaben, bei dem die Lebensbedingungen der Ureinwohner im Kongogebiet verbessert werden sollten. Anhand von Speichelproben testeten die Forscher während des Versuchs den Oxytocin-Spiegel der Teilnehmer.

Oxytocin wirkungslos bei ökologischen Vorhaben

Da Projekte zur ökologischen Nachhaltigkeit immer auch eine soziale Dimension haben, nahmen die Forscher an, dass Oxytocin generell die Spendenneigung der Probanden steigern würde. Allerdings zeigte sich, dass Teilnehmer mit einem höheren Oxytocin-Spiegel zwar viel großzügiger gegenüber dem sozialen Projekt waren als Personen mit einem niedrigen Oxytocin-Spiegel, dieser Effekt blieb jedoch für das ökologische Projekt aus.

Weitere Versuche mit Oxytocin-Nasenspray

In einem weiteren Versuch verabreichten die Forscher einem Teil ihrer Probanden Oxytocin in Form eines Nasensprays, während die Kontrollgruppe ein Placebo erhielt. Wieder zeigte sich das gleiche Muster: Die Oxytocin-Gruppe spendete im Schnitt mehr als doppelt so viel für das soziale Projekt wie die Placebo-Gruppe. Bei dem ökologischen Vorhaben hingegen ging die Spendenbereitschaft durch Oxytocin sogar zurück.

Im Anschluss wurden den Teilnehmern in einem Katalog Nahrungsmittel und Kleidungsstücke präsentiert. Sie konnten entweder ein konventionell oder ein nachhaltig produziertes Produkt wählen und den Preis angeben, den sie für dieses zu zahlen bereit wären. Der Katalog lag in zwei Versionen vor: In einer stammten die Produkte aus sozialer Produktion, in der anderen ging es um ökologisch erzeugte Güter.

Hormon verschiebt Prioritäten zugunsten sozialer Uneigennützigkeit

Ein weiteres Mal wählten die mit Oxytocin behandelten Probanden eher als die Placebo-Teilnehmer sozial nachhaltig erzeugte Produkte und waren bereit, für diese doppelt so viel zu zahlen. Und wieder zeigte sich der Effekt für die ökologisch ausgerichteten Produkte nicht.

Die Forscher betonen, dass ihre Probanden grundsätzlich auch etwas für rein ökologische Projekte übrig hatten – denn auch für sie wurde kräftig gespendet. Oxytocin scheine jedoch – entgegen der bisherigen Annahmen – die Prioritäten zugunsten sozialer Uneigennützigkeit zu verschieben.

Literatur

Marsh, N., Scheele, D., Gerhardt, H., Strang, S., Enax, L., Weber, B. et al. (2015). The neuropeptide oxytocin induces a social altruism bias [Abstract]. The Journal of Neuroscience, 35 (47), 15696–15701.

23. Dezember 2015
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Symbolfoto: © Syda Productions – Fotolia.com


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