Heilung zu Hause

Die Therapie einer Magersucht in der Tagesklinik steht einem Klinikaufenthalt in der Wirksamkeit nicht nach – und bringt weniger psychische Probleme mit sich. Zu diesem Schluss kamen Forscher der Technischen Hochschule Aachen.

Magersucht (Anorexia nervosa) ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen des  Kindes- und Jugendalters: International geht man von einer Prävalenz von 0,5 bis 1,0 Prozent aus. Bei Mädchen und jungen Frauen zählt die Magersucht zudem zu den häufigsten Todesursachen.
Bisher galt eine stationäre Behandlung in einer Klinik als die Maßnahme der Wahl. Jedoch empfinden gerade Jugendliche den Klinikaufenthalt, der oft Wochen oder Monate lang dauert, als sehr eingreifend und belastend: Denn dadurch verlieren sie den Kontakt zu ihrem sozialen Umfeld. Zudem fällt es ihnen oft schwer, das in der Therapie Erreichte auf ihr Leben zu Hause zu übertragen. Es kommt zu Rückfällen und sehr oft zu einer Chronifizierung der Symptomatik. Wissenschaftler der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen und der Philipps-Universität Marburg verglichen zusammen mit Kollegen von sechs Therapieeinrichtungen in Deutschland nun die Erfolge einer stationären Therapie der Magersucht mit denen von tagesklinischen Angeboten.
Zwischen 2007 und 2010 betrachteten die Forscher insgesamt 172 magersüchtige Mädchen im Alter von elf bis 18 Jahren: Nachdem alle jungen Patientinnen drei Wochen in einer stationären Therapie zugebracht hatten, wurden 85 von ihnen weiterhin stationär behandelt, während die 87 anderen Mädchen eine vergleichbare Therapie in einer Tagesklinik erhielten.
Es zeigte sich, dass die Patientinnen der Tageskliniken zwölf Monate nach Therapiebeginn keine geringere Gewichtszunahme aufwiesen als die Mädchen, die stationär behandelt worden waren. Komplikationen traten dabei gleich häufig auf und waren insgesamt sehr selten und gut beherrschbar. Nach einem Jahr wiesen die Patientinnen der Tageskliniken zudem weniger psychische Probleme und eine bessere psychosexuelle Entwicklung auf als ihre stationär behandelten Leidensgenossinnen.
Die Wissenschaftler schließen aus diesen Ergebnissen, dass sich Magersucht in einer Tagesklinik mindestens ebenso gut behandeln lässt wie durch einen Klinikaufenthalt. Da die tagesklinische Behandlung zudem mit einer Kostenersparnis von etwa 20 Prozent verbunden ist, hoffen die Forscher nun, dass das Gesundheitssystem in Deutschland die tagesklinische Behandlung der Magersucht als übliches Behandlungsangebot etabliert.

Literatur
Herpertz-Dahlmann, B., Schwarte, R., Krei, M., Egberts, K., Warnke, A., Wewetzer, C. Et al. (2014). Day-patient treatment after short inpatient care versus continued inpatient treatment in adolescents with anorexia nervosa (ANDI): a multicentre, randomised, open-label, non-inferiority trial. The Lancet, 383 (9924), 1222-1229.


Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Foto © Mislav Marohnić / flickr.com unter CC BY 2.0


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