Helfen oder flüchten?

In Notsituationen hängt Hilfsbereitschaft stark von der Persönlichkeit ab. Dies zeigten Forscher des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in einer aktuelle Studie.

In Extremsituationen, so sagt man, zeigt sich die wahre Natur des Menschen. Denken also eher egoistische Menschen in Gefahrensituationen wirklich nur noch an sich selbst? Oder leisten sie genauso wie andere Hilfe? Diesen Fragen ging ein Forscherteam des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin in einer aktuellen Studie nach.

Spiel am Computer


Sie ließen ihre insgesamt 104 Probanden am Computer das eigens für den Versuch entwickelte „Helfen- oder Flüchten-Dilemma“ durchspielen. Dabei mussten die Teilnehmer unter finanziellem und zeitlichem Druck in zwei verschiedenen Situationen – einer alltäglichen und einer Gefahrensituation – entscheiden, ob sie anderen helfen, dabei aber wertvolle Zeit verlieren wollten, oder lieber sich selbst in Sicherheit bringen und das Spiel gewinnen. Nach dem Spiel machten die Forscher mit den Probanden einen Test, um zu bestimmen, ob sie eher zu prosozialem Verhalten oder Individualismus tendierten.

Wertorientierung entscheidend


Insgesamt halfen alle Probanden in der Gefahrensituation seltener, da sie in dieser unter einem höheren Zeitdruck standen. Bei einem differenzierten Blick auf den einzelnen Probanden und dessen soziale Wertorientierung zeigte sich jedoch, dass in der Not eher diejenigen Teilnehmer halfen, die ohnehin zu uneigennützigem und prosozialem Verhalten tendierten. 44 Prozent von ihnen verhielten sich in der Notsituation sogar hilfsbereiter als in der harmlosen Alltagssituation. Bei den Probanden mit eher egoistischem Verhalten war das Gegenteil der Fall: Bei 52 Prozent von ihnen verringerte sich die Hilfsbereitschaft in der Notsituation.

Extremsituationen verstärken gute und schlechte Eigenschaften


Die Forscher schließen aus ihren Ergebnissen, dass Notsituationen die ursprüngliche Tendenz zur Kooperationsbereitschaft einer Person verstärken, dass also in Extremsituationen unsere schlechten, aber auch unsere guten Eigenschaften ausgeprägter sein können. Sie sehen in ihrem Spiel einen Weg, menschliches Kooperationsverhalten zu untersuchen, insbesondere mit Blick auf das Gruppenverhalten während Massenpaniken und die Entwicklung sinnvoller Evakuierungspläne.

Literatur


Moussaïd, M. & Trauernicht , M. (2016). Patterns of cooperation during collective emergencies in the help-or-escape social dilemma. Nature Scientific Reports, 6, 33417.

13. Oktober 2016

Quelle: Max-Planck-Institut für Bildungsforschung
Symbolfoto: © Ina Jungbluth


Weitere Beiträge zum Thema


Mythen können tödlich sein