Hilfe für junge Mütter am Uni-Klinikum in Dresden

Für Mütter, bei denen sich nach der Geburt ihres Kindes psychische Probleme bemerkbar machen, hat die Klinik für Psychotherapie und Psychosomatik des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden vor rund einem Jahr eine Tagesklinik eingerichtet. Die Bilanz jetzt: Es gelang, den Zustand von zwei Dritteln der Patientinnen deutlich oder stark zu bessern. Dazu absolvierten die Frauen gemeinsam mit ihren Babys ein sechswöchiges Therapieprogramm. Mehr als die Hälfte der Mütter bekommen in den ersten beiden Wochen nach der Geburt den sogenannten Baby Blues, erleben grundlose Traurigkeit, große Stimmungsschwankungen und reagieren sehr empfindlich. Doch es gibt Mütter, bei denen verschwinden diese seelischen Probleme nicht so schnell. Hier liegen oft schwerere, behandlungsbedürftige Störungen der Seele vor – etwa Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen oder Persönlichkeitsstörungen.

Ein wichtiges Element der tagesklinischen Therapie ist der Aufbau einer tragfähigen Bindung zwischen Mutter und Kind. Sie ist entscheidend für eine gute psychische wie physische Entwicklung des Babys. Anhaltspunkte für eine gestörte Beziehung sind neben fehlender Mimik, Bewegungsarmut oder einer verzögerten Entwicklung auch sogenannte Regulationsstörungen: Die Kinder trinken nicht richtig, haben Schlafprobleme und schreien übermäßig. Längerfristige Folgen einer unzureichenden Bindung zwischen Mutter und Kind können Verhaltensauffälligkeiten bis zu psychischen Erkrankungen sein. Auch Hautkrankheiten wie Neurodermitis werden mit Schwangerschaft- und nachgeburtlichen Belastungen in Zusammenhang gebracht.
 Psychische Erkrankungen nach der Geburt können ganz unterschiedliche Ursachen haben. So hat ein Teil der betroffenen Mütter bereits früher einmal an behandlungsbedürftigen Störungen der Psyche gelitten oder stammt aus einer Familie, in der es ebenfalls Bindungsprobleme zwischen Mutter und Kind gab. Daneben gelten die gestiegenen Erwartungshaltungen des privaten wie beruflichen Umfeldes als Krankheitsauslöser. Um den Patientinnen einen Teil dieses Drucks zu nehmen, setzen die Therapeuten auf Einzel- und Gruppengespräche. In der Therapie lernen sie auch, realistische Vorstellungen über die eigene Rolle zu entwickeln, mit den neuen Stresssituationen umzugehen sowie die eigenen Gefühle wahrzunehmen. Das Team der Tagesklinik vermittelt den Müttern auch Kompetenzen im Umgang mit ihren Kindern: Dazu gehört unter anderem, das Verhalten der Babys richtig zu deuten.

4. Juli 2011
 Quelle: Informationsdienst Wissenschaft