Hilft Online-Training, Depressionen zu verhindern?

Ein internationales Forscherteam wies weltweit erstmalig nach, dass Depressionen mit Hilfe eines Online-Trainings wirksam verhindert werden könnten.

Depressionen zählen zu den großen Volkskrankheiten: Einer Studie des Robert-Koch-Instituts zufolge muss davon ausgegangen werden, dass in Deutschland etwa 15 Prozent der Frauen und acht Prozent der Männer einmal im Leben an einer Depression erkranken. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählen Depressionen in den Industrieländern zu den Hauptursachen für vorzeitigen Tod und krankheitsbedingte Behinderung. Umso wichtiger ist es, nicht nur über eine verbesserte Diagnostik und Behandlung, sondern auch über mögliche Präventionsansätze nachzudenken.

Teilnehmer mit erhöhtem Depressionsrisiko

Im Rahmen des Interventionsprojekts „GET.ON“ untersuchte nun ein Team von Psychologen der Universitäten Erlangen-Nürnberg, Lüneburg und Amsterdam (Niederlande), wie wirkungsvoll ein solcher Ansatz sein kann. Bei ihren insgesamt 406 Probanden handelte es sich um Personen mit einem erhöhten Depressionsrisiko, die jedoch noch nicht an einer Depression erkrankt waren. Die Hälfte von ihnen erhielt herkömmliche Informationen zur Vorbeugung von Depressionen in schriftlicher Form, alle anderen absolvierten ein spezielles sechswöchiges Online-Training.

Online-Training „GET.ON“


Das Training basierte auf bewährten Therapiemethoden des systematischen Problemlösens und der Verhaltensaktivierung. Einmal pro Woche erhielten die Teilnehmer eine halb- bis einstündige Übungseinheit – bestehend aus Videos, Texten und Aufgaben. Zwischen den „Sitzungen“ hatten sie die Möglichkeit, die Trainingsinhalte im Alltag zu erproben. Dabei wurden sie von einem Coach begleitet, mit dem sie online in Kontakt standen. Nach einem Jahr wurden alle Teilnehmer in einem diagnostischen Telefoninterview nochmals untersucht.

Wirksame Prävention

Es zeigte sich, dass von den Personen, die das „GET.ON“-Training absolviert hatten, 27 Prozent im Verlauf des Jahres an einer Depression erkrankt waren – im Vergleich zu 41 Prozent aus der Referenzgruppe ohne Online-Training. Das bedeutet: Absolvieren sechs Personen das Training, kann bei einer von ihnen eine neue depressive Erkrankung verhindert werden. Die Wissenschaftler betonen, dass „GET.ON“ somit das Risiko des Auftretens behandlungsbedürftiger Depressionen effektiv reduzieren könne. Das Training biete für Menschen, die erste Beschwerden aufwiesen, eine niederschwellige und doch wirksame Präventionsstrategie.

Literatur

Buntrock, C., Ebert, D.D., Lehr, D., Smit, F., Riper, H., Berking, M. et al. (2016). Effect of a web-based guided self-help intervention for prevention of major depression in adults with subthreshold depression: A randomized clinical trial [Abstract]. Journal of the American Medical Association, 315 (17), 1854–1863.

17. Mai 2016
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Symbolfoto: © Ina Jungbluth


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