Im Beruf gefordert, geistig fit im Alter

Anspruchsvolle Tätigkeiten im Beruf wirken sich noch im Alter positiv auf die geistige Leistungsfähigkeit aus. Dies geht aus einer aktuellen Studie der Universität Leipzig hervor.

Schon lange weiß man, dass eine gute Bildung ein Schutzfaktor gegen die Entwicklung von Demenzerkrankungen ist. Welchen Einfluss jedoch die Art der Arbeitsaufgaben während des Berufslebens in dieser Hinsicht hat, war bislang weitgehend unbekannt. Wissenschaftler der Universität Leipzig schlossen in einer aktuellen Untersuchung diese Forschungslücke.

Langzeitstudie „Leila75+“

Im Rahmen der Leipziger Langzeitstudie zur Altenbevölkerung – „Leila75+“ – waren insgesamt 1.054 Senioren im Alter von über 75 Jahren über acht Jahre hinweg regelmäßig untersucht und auf ihre geistige Leistungsfähigkeit getestet worden. Unter anderem hatten die Forscher ihre Studienteilnehmer auch ausführlich zu ihrem früheren Berufsleben befragt sowie zu bestimmten Anforderungen, mit denen sie dabei konfrontiert gewesen waren: Dazu gehörten beispielsweise Strategieentwicklung, Konfliktbewältigung, Informationsbewertung, Datenanalyse oder Konzentration auf Details.

Langfristige Wirkung der Arbeitsanforderungen

Es zeigte sich, dass die Studienteilnehmer, die in ihrem Berufsleben das höchste Niveau in allen Anforderungsbereichen gehabt hatten, auch im Alter bezüglich ihrer geistigen Leistungsfähigkeit am besten abschnitten. Zudem beobachteten die Forscher bei diesen Probanden im weiteren Studienverlauf die geringsten Abbauerscheinungen: So verschlechterte sich ihre Leistungsfähigkeit innerhalb von acht Jahren nur halb so stark wie die von Personen mit dem niedrigsten Anforderungsniveau.

Arbeit wichtiger als Bildung

Die Wissenschaftler schließen aus diesem Befund, dass einige spezifische Anforderungen im Berufsleben anscheinend das Gehirn trainierten, was helfe, die Leistungsfähigkeit im höheren Alter langfristig aufrechtzuerhalten. Der Charakter der Arbeit habe somit möglicherweise sogar einen noch wichtigeren Einfluss als Bildung.

Verbesserung der Prognose bei Demenz

Die Befunde der deutschen Forscher stehen im Einklang mit denen einer aktuellen US-amerikanischen Studie: Laut dieser hängt die Lebenserwartung von Menschen, die an einer frontotemporalen Demenz erkrankt sind, unter anderem von der beruflichen Tätigkeit der Betroffenen ab. Patienten mit hoch qualifizierten Berufen überleben nach der Diagnose um bis zu drei Jahre länger als Menschen mit weniger qualifizierter Tätigkeit.

Literatur

Then, F. S., Luck, T., Luppa, M., König, H.-H., Angermeyer, M. C. & Riedel-Heller, S. G. (in press). Differential effects of enriched environment at work on cognitive decline in old age [Abstract]. Neurology.

Massimo, L., Zee, J., Xie, S. X., McMillan, C. T., Rascovsky, K., Irwin, D. J. et al. (in press). Occupational attainment influences survival in autopsy-confirmed frontotemporal degeneration [Abstract]. Neurology.

26. Mai 2015
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
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