Individualistisch und verunsichert

Die Einstellung von Beschäftigten der „Generation Y“ untersuchte eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung.

Wie wollen junge Menschen arbeiten? Welche Ansprüche stellen sie als Arbeitnehmer? Und wie wichtig ist ihnen Mitsprache und Mitbestimmung im Job? Die sogenannte „Generation Y“, also die zwischen 1981 und 2000 Geborenen, sei vor allem an Selbstverwirklichung und Freizeit interessiert, lautet ein gängiges Vorurteil. Eine von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie untersuchte, was dran ist.

Qualitative Interviews

Die beteiligten Wissenschaftler werteten ausführliche Interviews mit insgesamt 34 abhängig Beschäftigten unter 35 Jahren in verschiedenen Branchen aus. Ihr Fokus lag dabei auf den Interessen und Beteiligungsansprüchen der Befragten.

Sinn für Mitbestimmung und Gerechtigkeit

Es zeigte sich wie erwartet, dass die jungen Arbeitnehmer über einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und Solidarität verfügten. Sie wollten am Arbeitsplatz mitentscheiden, vor allem im Team oder in ihrer Abteilung. Auch hielten sie betriebliche oder gewerkschaftliche Interessenvertretungen für notwendig. In vielen Punkten unterschieden sich die jüngeren dabei nicht wesentlich von älteren Beschäftigten.

Anspannung und Verunsicherung

Eine Besonderheit stellten die Wissenschaftler aber dennoch fest: Die jungen Beschäftigten berichteten fast durchweg von holprigen, durch Krisen und Umbrüche geprägten Karrierewegen sowie von prekären oder befristeten Beschäftigungsverhältnissen als Einstieg in die Arbeitswelt. Diese Erfahrungen seien vermutlich der Grund für die beobachtete „gewisse Anspannung“: Bei vielen jungen Beschäftigten habe sich – trotz großer Anpassungsfähigkeit – ein Gefühl der Unsicherheit festgesetzt, das auch dann noch anhalte, wenn eine unbefristete Vollzeitstelle gefunden sei.

Wettbewerb und Marktprinzip

Die Folge sei, dass viele es aus Angst um den Arbeitsplatz nicht wagten, gerechtfertigte Forderungen zu stellen oder Grenzen zu setzen, so die Forscher. Auffällig sei zudem, dass das Wissen um Arbeitnehmerrechte bei den jungen Beschäftigten nur schwach ausgeprägt sei und dass sie schnell bereit seien, Entscheidungen der Unternehmensführung zu akzeptieren, die mit „Sachzwängen“ oder „Anforderungen des Marktes“ begründet würden. Möglicherweise habe „die Durchsetzung von Wettbewerb und Marktprinzipien auf allen gesellschaftlichen Ebenen ihre Spuren in den Köpfen der jungen Generation hinterlassen“, folgern die Wissenschaftler.

Literatur
Nies, S. & Tullius, K. (2017). Zwischen Übergang und Etablierung. Beteiligungsansprüche und Interessenorientierungen jüngerer Erwerbstätiger. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung.


17. August 2017
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Symbolfoto: © Tim Gouw – pexels.com


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