Innovative Studie zur auditiven Wahrnehmung

Psychologen der Universität Mannheim entdeckten, dass das Gehirn schon auf sehr frühen Verarbeitungsstufen wichtige Geräusche verstärkt verarbeitet. Das Forscherteam nutzte für seine Untersuchungen die innovative Bildgebungsmethode der Nah-Infrarot Spektroskopie.

Dauernd strömen unzählige Geräusche und Bilder aus der Umgebung über die Sinnesorgane in das menschliche Gehirn. Damit der Mensch nicht hoffnungslos überfordert ist, muss das Gehirn die relevanten Reize herausfiltern. Diese emotional bedeutsamen Reize, beispielsweise ein Kinderlachen oder ein bedrohlich knurrender Hund, führen dazu, dass sich der Mensch entweder annähern oder distanzieren möchte. „Das ist ein evolutionär sinnvoller Mechanismus, der uns schneller reagieren lässt. Bei einer Bedrohung können wir schneller flüchten und müssen nicht erst darüber nachdenken, was das genau für ein Geräusch ist“, erklärt Prof. Dr. Georg W. Alpers, Professor für Klinische und Biologische Psychologie an der Universität Mannheim.

Die Studie der Mannheimer Psychologen zeigt erstmals, dass das Gehirn auch bei der Wahrnehmung von emotional bedeutsamen Geräuschen verstärkt aktiv ist. „Das Außerordentliche dabei ist, dass das Hirn schon auf ganz frühen Verarbeitungsstufen zwischen neutralen und emotional bedeutsamen Geräuschen unterscheidet. Schon das Hörzentrum spricht besonders auf emotional bedeutsame Geräusche an“, so Dr. Antje Gerdes, eine der Autorinnen der Studie. Bisher ging man davon aus, dass im Hörzentrum zunächst nur analysiert wird, ob das Geräusch laut oder leise, eine hohe oder niedrige Frequenz hat und das Gehirn erst auf höheren Verarbeitungsstufen dem Reiz positive oder negative Eigenschaften zuordnet. 

Eine besondere Technik machte die Untersuchung der Gehirnprozesse bei der Wahrnehmung von Geräuschen möglich: Die Nah-Infrarot Spektroskopie erlaubt es, in das Hörzentrum vorzudringen, indem die Forscher mit einer Lichtquelle durch die Schädeldecke „leuchten“. „Das Nah-Infrarotlicht leuchtet durch biologisches Gewebe hindurch, lediglich das sauerstoffreiche und das sauerstoffarme Hämoglobin (Blutfarbstoff) absorbiert das Licht“, schildert Dr. Michael Plichta, der viel zur Etablierung dieser Methode beigetragen hat. Diese Eigenschaft des Lichts nutzen die Wissenschaftler: Wenn eine Aktivierung des Gehirns stattfindet, verbrauchen die Zellen in den beteiligten Hirnarealen Sauerstoff. Um den Verbrauch zu kompensieren, transportiert das Gehirn an diese Stellen sauerstoffreiches Blut. Diese Konzentrationsveränderungen von sauerstoffreichem und –armen Blut messen die Forscher anhand des reflektierten Nah-Infrarotlichts.

Die Mannheimer Wissenschaftler untersuchten die auditive Wahrnehmung, indem sie 17 Probanden sechzig unterschiedliche Geräusche vorspielten. Davon hatten zwanzig Geräusche eine positive emotionale Bedeutung, etwa ein ausgelassenes Lachen, zwanzig Geräusche hatten eine negative Bedeutung, wie ein Schmerzschrei, und zwanzig Geräusche waren neutral. Die Studie wurde im neurowissenschaftlichen Journal „NeuroImage" publiziert. 

3. Mai 2011
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft