Internationales Forschungsprojekt: Seelische Gesundheit und Migration

In Deutschland leben fast 20 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund – mehr als in jedem anderen europäischen Land. Sie haben mit vielfältigen seelischen Belastungen zu kämpfen: Verlust der Heimat, Zurechtfinden in einer anderen Kultur, Sprachprobleme, Ablehnung und Ausgrenzung. Die Gefahr, psychische Störungen zu entwickeln, ist also bei Migranten um ein Vielfaches größer als bei Einheimischen. Allerdings müssen Menschen mit Migrationshintergrund auch größere Hindernisse überwinden, um psychisch behandelt zu werden.  Ein internationales Forschungsprojekt soll nun helfen, die psychosoziale Situation von Migranten zu verbessern. Denn seelische Gesundheit ist eine wesentliche Voraussetzung zur Integration. Forschungseinrichtungen in Berlin, Hamburg und Istanbul werden gemeinsam die internationale Studie zur „Psychosozialen Gesundheit von Menschen mit Migrationshintergrund und zur kulturellen Öffnung des psychosozialen Versorgungssystems“ durchführen.  Untersucht wird dabei die bundesweit größte Migrantengruppe: Menschen, die ursprünglich aus der Türkei stammen.

Ziel der Studie ist die Erfassung der Häufigkeit psychischer Erkrankungen, aber auch die Verbesserung der psychosozialen Versorgung und damit die Optimierung der Integrationsfähigkeit von Migranten. 

Dafür werden  zunächst Barrieren und Ressourcen bei der Nutzung psychosozialer Hilfsangebote untersucht. Anschließend sollen Qualitätsstandards erarbeitet werden, um das psychosoziale Versorgungssystem  für Migranten zu öffnen. Die Umsetzung dieser Standards in der Praxis soll in zwei Berliner Bezirken erprobt werden. Schließlich soll daraus ein standardisiertes  Trainingsprogramm  zur Steigerung der interkulturellen Kompetenz von Mitarbeitern in psychosozialen Einrichtungen entwickelt und auf seine Wirksamkeit überprüft werden.
An der Studie wirken Psychiater, Psychologen, Psychotherapeuten, Ethnologen und Soziologen der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité in Berlin,  der Arbeitsgruppe Psychosoziale Migrationsforschung  am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf sowie der Klinik für Psychiatrie der Marmara-Universität Istanbul mit. Die Studie ist auf drei Jahre angelegt.

16. März 2010