Ist er's, oder ist er's nicht?

Wie schwierig der Gesichtsabgleich bei Passkontrollen ist, zeigten Psychologen der Universität des Saarlandes und der Universität Bamberg.

Bei Passkontrollen geht es darum zu überprüfen, ob das Gesicht einer Person mit dem Foto in ihrem Reisepass übereinstimmt. Klingt einfach, ist es aber nicht: Denn der Abgleich zwischen physischem Gesicht und Passfoto muss in sehr kurzer Zeit und sehr schneller Folge geschehen. Psychologen der Universität des Saarlandes untersuchten in einer aktuellen Studie nun zusammen mit Kollegen der Universität Bamberg, inwiefern professionelle Erfahrung einer Person hilft, Gesichter korrekt abzugleichen und Täuschungsmanöver zu erkennen.

Gesichtsabgleich am Computer

Das eigentliche Experiment, an dem neben 48 Bundespolizisten mit langjähriger Erfahrung in der Personenidentifikation (mindestens elf Jahre) auch 48 Polizisten mit weniger Berufserfahrung (im Mittel sechs Jahre) und 48 Laien teilnahmen, fand im Labor statt. Am Computer verglichen die Probanden Paare kleiner Passfotos und großformatiger Porträtaufnahmen. Dabei war auf einem Teil der Bilder ein- und dieselbe Person zu sehen. Manchmal handelte es sich aber auch um zwei verschiedene, sehr ähnlich aussehende Personen. Zudem waren mitunter bestimmte Gesichtsmerkmale wie Brillen, Muttermale oder die Frisur manipuliert: Die Fotos zeigten dann zum Beispiel dieselbe Person mit einer anderen Frisur. Oder es waren verschiedene Personen zu sehen, die aber beispielsweise die gleiche Brille hatten.

Berufserfahrung kein Garant für Genauigkeit

Im Experiment schnitten Experten mit kürzerer Berufserfahrung mit durchschnittlich rund 89 Prozent Genauigkeit am besten ab – besser als die Probanden mit langer Berufserfahrung (85 Prozent) und Laien (83 Prozent).
Besonders interessant war die Verteilung der begangenen Fehler: Zeigten beide Fotos dieselbe Person, wurde dies in 95 Prozent der Fälle richtig erkannt – auch wenn sich die dargestellten Gesichter in einzelnen Aspekten, wie etwa der Brille oder der Frisur, unterschieden. Wenn es sich allerdings um unterschiedliche Personen handelte, wurde dies im Durchschnitt nur in 76 Prozent der Fälle entdeckt: Fast jeder vierte potenzielle Betrüger blieb also unerkannt. Ferner zeigte sich, dass Täuschungsmanöver wirksam waren: Bilder verschiedener Personen wurden insbesondere dann nicht erkannt, wenn einzelne Merkmale der beiden Gesichter, wie etwa die Frisur, angeglichen waren.

Anwendung in der Personalauswahl

Die Wissenschaftler ziehen den Schluss, dass der Unterschied zwischen Laien und Experten nicht allein auf die professionelle Erfahrung zurückzuführen ist. Gesichtsabgleich sei eine enorm schwierige und fehleranfällige Aufgabe, die selbst Personen mit einschlägiger professioneller Erfahrung vor große Herausforderungen stelle. Mögliche Ursachen für die gefundenen Unterschiede sehen die Autoren darin, dass sich das Auswahlverfahren bei der Bundespolizei über die Zeit hinweg verbessert habe. Allerdings sei es weiter optimierbar, etwa indem mit Hilfe spezieller psychologischer Testverfahren Personen mit sehr guten Gesichtserkennungsfähigkeiten identifiziert und selektiv eingestellt würden.

Literatur
Wirth, B.E. & Carbon, C.-C. (2017). An easy game for frauds? Effects of professional experience and time pressure on passport-matching performance [Abstract]. Journal of Experimental Psychology. Applied, 23 (2), 138–157.

22. Juni 2017
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Psychologie
Symbolfoto: © Skitterphoto – pexels.com


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