Ist Selbstkontrolle trainierbar?

Psychologen der Universität des Saarlandes untersuchten in einer Metaanalyse die Wirksamkeit von Selbstkontrolltrainings.

Selbstkontrolle ist die menschliche Fähigkeit, innere Impulse zu unterdrücken oder zu steuern und damit das eigene Verhalten zu kontrollieren. Sie hilft also zum Beispiel, wenn es darum geht, während der Diät nicht zu den verlockenden Keksen zu greifen, beim Arbeiten das Smartphone in der Tasche zu lassen oder auch mal „gute Miene zum bösen Spiel“ zu machen. Studien belegen, dass Menschen, die sich gut selbst kontrollieren können, mehr Erfolg und stabilere soziale Beziehungen haben und sich einer besseren körperlichen und psychischen Gesundheit erfreuen. Eine so erstrebenswerte Fähigkeit sollte sich doch trainieren lassen – oder nicht?

Überblicksarbeit zu Selbstkontrolltrainings

Dieser Frage gingen nun Psychologen der Universität des Saarlandes nach: In einer Metaanalyse werteten sie die Daten von insgesamt 33 Studien zur Wirksamkeit von Selbstkontrolltrainings aus. Anders als frühere Analysen bezogen sie dabei auch unveröffentlichte Arbeiten mit ein, um das sogenannte "Schubladenproblem" zu umgehen: Studien, die zu keinem signifikanten Ergebnis kommen, also etwa Trainings untersuchen, die nicht wirken, werden oft nicht publiziert und landen in der Schublade. Entsprechend (positiv) verzerrt ist dann das Ergebnis einer Metaanalyse.

Ressourcenmodell der Selbstkontrolle

Die untersuchten Selbstkontrolltrainings basierten auf dem sogenannten Ressourcenmodell der Selbstkontrolle und dem Gedanken, dass diese sich wie ein Muskel trainieren lässt: Je häufiger eine Tätigkeit, die Selbstkontrolle erfordert, gezielt ausübt wird, desto stärker wird die Fähigkeit und desto mehr Kontrollressourcen entwickeln sich. Entsprechend untersuchen Wirksamkeitsstudien häufig, inwiefern sich eingeübte Selbstkontrollfähigkeiten auch auf andere Lebensbereiche auswirken.

Kleine bis mittlere Trainingseffekte

Die Ergebnisse der Metaanalyse legen nahe, dass sich Selbstkontrolle durch Übung zumindest kurzfristig stärken lässt: Im Durchschnitt zeigten sich kleine bis mittlere Trainingseffekte, die allerdings von Studie zu Studie stark schwankten.
Offen sind weiterhin die Fragen, wie lange die Effekte anhalten und warum die Trainings effektiv sind, also welche psychologischen Mechanismen ihnen zugrunde liegen. Die Forscher vermuten, dass zumindest ein Teil des Trainingserfolgs auf eine Placebo-Wirkung zurückgehen könnte, in dem Sinne, dass Trainingsteilnehmer die Erwartung aufbauen, dass ihnen die Übungen helfen.

Literatur

Friese, M., Frankenbach, J., Job, V. & Loschelder, D. (in press). Does self-control training improve self-control? A meta-analysis. Perspectives on Psychological Science.

29. Juni 2017

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Psychologie
Symbolfoto: © Unplash.com


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