Jede dritte Studentin psychisch gestört?

Fast jede dritte Hochschülerin hat laut Techniker Krankenkasse (TK) im vergangenen Jahr mindestens einmal eine psychische Störung attestiert bekommen. Bei den jungen Männern war es jeder achte. Von 400 Studierenden schafften 16 ihre Vorlesungen nur noch mit Antidepressiva. Besorgniserregend daran sind vor allem die Steigerungsraten, so TK-Chef Norbert Klusen.

In nur vier Jahren stieg das Volumen der verordneten Psychopharmaka bei den TK-versicherten Studenten um 54 Prozent. Der Anteil derer, die vom Arzt Medikamente gegen Depression erhalten, erhöhte sich um 40 Prozent. Klusen geht davon aus, dass der Druck auf die Studenten durch Studiengebühren Wirkung zeige. Auch sei die Bachelor-Master-Reform nicht spurlos an ihnen vorüber gegangen.

Man müsse sich aber auch Gedanken machen, wo die Grenze zwischen gesund und krank gezogen werde. Während Klusens so weit geht, zu vermuten, dass aber auch das Angebot den Bedarf schaffe, machen Psychotherapeuten auf Mängel in der Versorgung aufmerksam. Statt die Probleme der Betroffenen nachhaltig zu bearbeiten, würden ihnen auch aus Mangel an Psychotherapeuten nur Tabletten verordnet. Dennoch droht die Politik mit den Planungen für das Versorgungsstrukturgesetz die Situation noch weiter zu verschärfen, so Eva Schweitzer-Köhn, Bundesvorsitzende des VPP im Berufsverband Deutscher Psychologen. Es werde in jedem einzelnen Fall sehr sorgfältig geprüft – von Psychotherapeuten wie von den Krankenkassen –, ob eine krankheitswertige Störung vorliegt oder nicht.

30. August 2011