Können Suchmaschinen Leben retten?

Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität München entwickelten einen Ansatz zur Verbesserung der Suizidprävention mit Hilfe von Internetsuchprogrammen.

Durch ihre Eingaben in Internetsuchmaschinen offenbaren Nutzer nicht nur ihre Interessen und Vorlieben – mitunter verraten sie auch etwas über ihren gesundheitlichen Zustand. So unangenehm dieser Gedanke zunächst einmal erscheint, kann dies dazu beitragen, Leben zu retten. So legen beispielsweise wissenschaftliche Studien nahe, dass Suizide verhindert werden können, wenn Betroffene auf entsprechende Hilfsangebote, wie etwa die Telefonseelsorge, hingewiesen werden.

Hilfsangebote bei Suizidgefahr

Suchmaschinen wie die von Google folgen bereits Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation und blenden entsprechende Anlaufstellen ein, sobald nach bestimmten Begriffen gesucht wird, die auf eine suizidale Absicht schließen lassen. Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität München untersuchten nun, wie gut diese Algorithmen der Suchprogramme funktionieren und erarbeiteten Vorschläge, wie Hilfsangebote zielgerichteter angezeigt und möglichst viele Betroffene erreicht werden könnten.

Häufung der Suizide zu bestimmten Zeiten


Am Beispiel des Suchbegriffs „Vergiftung“ analysierten sie den zeitlichen Verlauf von Google-Suchanfragen und dokumentierten, an welchen Tagen und zu welchen Zeitpunkten dieses Wort besonders oft eingegeben wurde.
Es zeigte sich, dass die Anzahl der Suizide und Suizidversuche zu bestimmten Zeiten und an bestimmten Tagen zunimmt, so etwa im Frühling, in der Vorweihnachtszeit, am Neujahrstag, aber auch generell an Sonn- und Montagen. Zudem wurde aus den Analysen deutlich, dass an jenen Tagen, an denen es deutlich mehr tatsächliches suizidales Verhalten gab, auch die entsprechenden Suchanfragen zunahmen.

Kontinuierliche Weiterentwicklung der Algorithmen


In einer früheren Untersuchung hatten die Wissenschaftler am Beispiel von Google nachgewiesen, dass momentan nur bei etwa 25 Prozent der Anfragen, die auf einen potenziellen Suizid hinweisen, entsprechende Hilfsangebote angezeigt werden. Die Forscher betonen, dass die Betreiber von Suchmaschinen eine gesellschaftliche Verantwortung hätten. Die Algorithmen der Suchmaschinen müssten auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse fortwährend weiterentwickelt werden, um die genannten, aber auch weitere Risikofaktoren stärker zu berücksichtigen – und einer größeren Zahl gefährdeter Personen zu helfen.

Literatur

Arendt, F. & Scherr, S. (2016). Optimizing online suicide prevention: A search engine-based tailored approach [Abstract]. Health Communication, 1–6.

3. November 2016

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Symbolfoto: © Zbyszek Nowak – Fotolia.com


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Deutsche Übersetzung des WHO-Suizidpräventionsberichts