Kognitive Grundlagen des Burnout identifiziert

Ein Burnout geht mit einer eingeschränkten Fähigkeit zur Aufrechterhaltung der Leistungsbereitschaft einher. Dies konnten Forscher des Leibniz-Instituts für Arbeitsforschung in einer aktuellen Studie nachweisen.

Überarbeitet, müde, ausgebrannt: Obwohl das Burnout-Syndrom wissenschaftlich nicht als Krankheit anerkannt ist, häufen sich die Fälle, in denen Beschäftigte über eine erschöpfungsbedingt reduzierte Leistungsfähigkeit klagen. Inwieweit haben solche Selbsteinschätzungen eine objektivierbare Grundlage? Und lässt sich emotionale Erschöpfung – eines der wichtigsten Symptome des Burnout-Syndroms – auch mit Hilfe von objektiven Methoden nachweisen? Diesen Fragen gingen Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Arbeitsforschung an der TU Dortmund in einer aktuellen Studie nach.

Für ihr Experiment nutzten sie die sogenannte Constant Foreperiod Reaction Time Task: Dabei werden auf einem Bildschirm zwei verschiedene Reize mit unterschiedlicher Häufigkeit dargestellt und zuvor mehr oder weniger frühzeitig durch einen Ton angekündigt. Nur auf den seltener erscheinenden Reiz sollen die Probanden mit einem schnellen Tastendruck reagieren. Sie müssen folglich einerseits nach jedem Ton eine möglichst hohe Reaktionsbereitschaft aufbauen, andererseits aber auch oft die Ausführung der vorbereiteten Reaktion hemmen.

Probleme mit der Reaktionsbereitschaft

Es zeigte sich, dass die Probanden, die unter einer starken emotionalen Erschöpfung litten, mit dieser Aufgabe mehr Probleme hatten als die weniger belasteten Teilnehmer. Solange das Intervall zwischen dem Ton und dem visuellen Reiz kurz war, waren die Leistungen noch vergleichbar: Das Hören des Tons erhöhte in beiden Gruppen die Reaktionsbereitschaft und verringerte entsprechend die Reaktionszeit. War das Intervall zwischen Ton und Reiz jedoch länger, konnten nur die Probanden mit einer geringen emotionalen Erschöpfung ihre Reaktionsbereitschaft weitgehend aufrechterhalten. Bei den Teilnehmern mit einer starken emotionalen Erschöpfung sank die Reaktionsbereitschaft mit der Länge des Intervalls und erreichte schließlich wieder den Wert für eine unvorbereitete Reaktion.

Marker für emotionale Erschöpfung

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die beobachteten Probleme bei der Aufrechterhaltung der Reaktionsbereitschaft als Marker dienen könnten, um mit objektiven Mitteln zu ergründen, ob ein hoher Grad einer emotionalen Erschöpfung vorliegt, wie er für einen Burnout charakteristisch ist. Zudem erhoffen sie sich auf Grundlage ihrer Ergebnisse konkrete Ansatzpunkte, um Leistungsbeeinträchtigungen von Burnout-Patienten zu begegnen.

Literatur
Kleinsorge, T.; Diestel, S.; Scheil, J.; Niven, K. (2014). Burnout and the fine-tuning of cognitive resources. Applied Cognitive Psychology, 28 (2), 274-278.


26. August 2014
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Foto © Bomix – Fotolia.com


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