Kollektivstrukturen fördern gesunde Bewegung

Eine sportpsychologische Dissertation an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster verglich die körperliche und sportliche Aktivität von Kindern in Nigeria und Deutschland.

„Ich bin, weil wir sind“, so etwa lautet ein afrikanischer Ausspruch, der die in diesen Ländern vorherrschende Gemeinschaftsorientierung gut illustriert. Eine Dissertation am Lehrstuhl für Sportpsychologie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster untersuchte nun, wie sich das kollektivistische Denken auf das Selbstkonzept sowie die körperlich-sportliche Aktivität von Kindern und Jugendlichen auswirkt. Die Autorin verglich das Verhalten von insgesamt 160 nigerianischen mit dem von 301 deutschen Heranwachsenden zu drei aufeinanderfolgenden Messzeitpunkten.

Besseres Selbstkonzept und mehr Zufriedenheit

Kulturübergreifend zeigte sich in der Arbeit, dass Jugendliche mit einem höheren körperlich-sportlichen Aktivitätslevel nicht nur eine bessere körperliche Fitness aufweisen als inaktive, sondern auch ein positiveres Selbstkonzept. Zudem deuten die Ergebnisse darauf hin, dass neben der Höhe auch die Art der körperlich-sportlichen Tätigkeit eine Rolle spielt: So hatten selbstorganisierte Aktivitäten und kooperatives Handeln für nigerianische Jugendliche einen höheren Stellenwert als für deutsche – und standen zudem mit einem besonders positiven Selbstkonzept in Zusammenhang. Sie gingen darüber hinaus mit mehr Zufriedenheit und größerer körperlicher Fitness einher.

Miteinander in Gemeinschaft

Das für afrikanische kollektivistische Kulturen typische Miteinander in Gemeinschaft spiegelte sich in der Bewegungskultur wider: Anders als in westlichen Kulturen ist körperliche Aktivität eher gemeinschaftsorientiert und nicht in erster Linie auf Wettstreit angelegt. Als Beispiele nennt die Autorin das in Nigeria weit verbreitete Tanzen oder „rhythmische Klatschspiele“.

Gegen den Trend zum Individualismus

Aus den Daten der Studie werde nach Ansicht der Autorin deutlich, dass man dem Trend zum Individualismus in den westlichen Industrienationen entgegenwirken könne – um so zur psychischen Gesundheit Heranwachsender beizutragen.

Literatur

Ghanbari, M.-C. (2015). Die Bedeutung der körperlich-sportlichen Aktivität für das Selbstkonzept und die körperliche Fitness Jugendlicher. Eine kulturvergleichende längsschnittliche Studie am Beispiel Nigerias und Deutschlands [PDF]. Inaugural-Dissertation, Westfälische Wilhelms-Universität Münster.

24. September 2015
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Foto: © WWU – privat


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