Kurze Lust, langer Frust

Eine Studie der Technischen Universität Berlin untersuchte, wie sich Emotionen in der Mensch-Technik-Interaktion verändern.

Der Zusammenhang von Emotionen und Bedienbarkeit eines technischen Gerätes ist mittlerweile gut erforscht. Kaum berücksichtigt wurde aber bislang, dass Menschen in die Interaktion mit einem technischen Gerät nicht stimmungsneutral hineingehen, sondern sich bereits in einer bestimmten Gefühlslage befinden. Psychologen des Fachgebiets Kognitionspsychologie und kognitive Ergonomie der Technischen Universität Berlin untersuchten in einer aktuellen Studie daher, wie sich Emotionen im Verlauf einer Mensch-Technik-Interaktion verändern.
In ihrem Versuch induzierten sie zunächst eine positive oder negative Stimmung. Gewöhnlich werden in der Wissenschaft zu diesem Zweck Bilder, Fotos, Musik, Videos oder Hörspiele eingesetzt. Die Berliner Forscher wählten für ihren Versuch einen neuen Weg und verwendeten eine Spielekonsole: Die Aufgabe für die Probanden bestand darin, ein Fahrzeug zehn Minuten lang durch einen Parcours mit Hindernissen zu steuern. Für eine Gruppe der Versuchspersonen wurde die Konsole dabei so präpariert, dass sie einfach zu bedienen und fehlertolerant war, sodass sich die Rennstrecke leicht bewältigen ließ. Bei der anderen Gruppe war die Bedienung hingegen viel komplexer und dadurch die Bewältigung des Parcours weitaus schwieriger und frustrierender.
Anschließend erfassten die Wissenschaftler die Gefühlslage der beiden Gruppen mit Hilfe von Fragebögen. Tatsächlich konnten sie nachweisen, dass der Umgang mit den unterschiedlich präparierten Spielekonsolen entsprechende positive oder negative Gefühle hervorgerufen hatte.
In dieser Stimmung begaben sich die Probanden in den zweiten Teil des Experiments. Dabei hatten alle die gleiche Aufgabe zu lösen: Auf einem Tablet-Computer sollte ein Kontakt in das Adressbuch und ein Termin in den Kalender eingetragen und die Helligkeit eingestellt werden.
Es zeigte sich, dass während der Bearbeitung dieser Aufgabe die gute Laune bei den positiv gestimmten Probanden signifikant abnahm. Bei den bereits Frustrierten veränderte sich die Gefühlslage nicht: Sie blieben in negativer Stimmung.
Dieses Ergebnis bestätigt frühere Studien, denen zufolge es leichter ist, Menschen mit Technik zu frustrieren, als sie zu beflügeln. Während das relativ freie Spiel mit der Spielekonsole durchaus zu einer positiven Gestimmtheit beitragen konnte, war das bei einer wenig anregenden, strukturierten Alltagsaufgabe überhaupt nicht der Fall.
Die Wissenschaftler nehmen an, dass die beobachtete Fragilität positiver Stimmung dafür verantwortlich sei, dass der Einfluss von Emotionen Mensch-Technik-Interaktion generell unterschätzt werde. Allerdings seien Gefühle entscheidend für Akzeptanz, Nutzung und Bewertung technischer Produkte. Der Nutzer würdige nicht, dass Technik funktioniere – das sei Voraussetzung. Entscheidend sei, dass die Nutzung eines technischen Gerätes positiv erlebt werde.

Literatur

Backhaus, N. & Brandenburg, S. (2013). Emotionen und ihre Dynamik in der Mensch-Technik-Interaktion. In: Boll, S., Maaß, S. & Malaka, R. (Hrsg.), Mensch & Computer 2013: Interaktive Vielfalt (S. 79-88). München: Oldenbourg Verlag.


Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Foto © r.nial.bradshaw / flickr.com unter CC BY 2.0



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