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Psychologen der Universität Jena erforschen verschiedene Lernmethoden

Wo Wissen vermittelt oder Fähigkeiten erlernt werden sollen, lautet die Devise heute oft „Selbermachen“. Interaktives Lernen gilt als besonders effizient. Doch auch Beobachten führt zu guten Lernerfolgen. Dies zeigt ein aktuelles Forschungsprojekt unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Melanie Steffens an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Der Name des Projektes lautet: „Gedächtnis für Handlungen: Werden Handlungssequenzen nach Ausführung besser erinnert als nach Beobachtung oder Lernen?“.
 Gemeinsam mit ihren Team untersucht Prof. Steffens, welche Fähigkeiten sich eher durch Handeln erlernen lassen und welche besser durch Beobachten. „Ziel ist es, nicht nur zu analysieren, mit welcher Methode man wann am besten lernt“, erläutert Projektmitarbeiterin Janette Schult, „sondern auch, die Ursachen für diese Unterschiede zu klären.“
 Dazu stellen die Psychologen ihren Testpersonen kleine Lernaufgaben – Papierfiguren falten, Flugzeuge aus Legosteinen bauen oder Seemannsknoten binden. Während eine Gruppe der Probanden die Aufgabe nach Anleitung selbst erledigen muss, gilt es für eine andere Gruppe, sich den Handlungsablauf allein durch Beobachten anzueignen. Anschließend müssen alle Probanden das Erlernte unter Beweis stellen. Die bisherigen Untersuchungen zeigen, dass die Beobachtung des Handlungsablaufs zu genau so guten Lernleistungen führt wie das Lernen durch Ausführung.
 „Diejenigen, die selbst handeln, machen unmittelbare Erfahrungen, die es eventuell erleichtern, sich später an die Abläufe zu erinnern“, erläutert Rul von Stülpnagel, der gemeinsam mit Janette Schult das Projekt bearbeitet. „Das ist einerseits ein großer Vorteil.“ Andererseits erfordere das Selbermachen an sich schon große Aufmerksamkeit, die dann für das Erfassen größerer Zusammenhänge – etwa bei komplexen Abläufen – fehle. „Wer selbst handelt, kann sich so besser an einzelne Tätigkeiten erinnern, etwa wie ein bestimmter Legostein an einer bestimmten Stelle platziert werden muss“, so der Psychologe. „Derjenige, der den gesamten Bauprozess nur beobachtet, erfasst dagegen deutlich besser die Abfolge aller Schritte und kann diese anschließend besser in Zusammenhang bringen“, ergänzt seine Kollegin Schult.
 Das Forschungsprojekt wird noch weitere drei Jahre durch Die Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert. Die Jenaer Psychologen sehen es in erster Linie als Beitrag zur Grundlagenforschung. „Allerdings können unsere Ergebnisse langfristig auch dazu dienen – etwa über eine bestimmte Unterrichtsgestaltung – gezielt Lernprozesse zu unterstützen“, sagt Prof. Steffens.

27. Januar 2011
 Quelle: Informationsdienst Wissenschaft