Lebenskompetenztraining schützt Kinder und Jugendliche vor Drogenmissbrauch

Wie lassen sich Kinder und Jugendliche effizient gegen den Missbrauch von Alkohol und Zigaretten schützen? Wie lernen sie, „Nein“ zu Drogen zu sagen? Jenaer Psychologen führen ein wirksames Trainingsprogramm für Schülerinnen und Schüler durch.
Der Name des Programms „IPSY“ steht für Information und Psychosoziale Kompetenz. Im Rahmen von IPSY trainieren Schüler grundlegende Lebenskompetenzen wie den Umgang mit Stress und Angst oder die Reflexion des eigenen Selbstbildes. Dazu bearbeiten sie in interaktiven Lerneinheiten Themen wie „Schule und Ich“ oder „Ich und Andere“ und diskutieren mit Mitschülern und Lehrern ihre Ergebnisse. Rollenspiele, Bewegungs- und Entspannungsübungen gehören ebenso zum Konzept. Das Programm besteht aus 15 90-minütigen Einheiten in Klassenstufe 5. In den Klassen 6 und 7 folgt jeweils eine Aufbauphase von sieben Einheiten. Die Evaluation des IPSY-Programms zeigt, dass es bei der Suchtprävention langfristige Effekte erzielt. „Der alterstypische Anstieg im Konsum von Alkohol und Zigaretten ist bei Schülern, die an unserem Programm teilnehmen, geringer als in den Kontrollgruppen, dazu ist das Einstiegsalter hinausgezögert“, berichtet Prof. Silbereisen, der das Projekt gemeinsam mit Dr. Weichold leitet.

In Kooperation mit dem Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur ist IPSY seit 2003 in über 100 Schulen im Freistaat eingeführt worden. „Sowohl die Effekte des Programms bei den Schülern als auch die Erfahrungen der Lehrer, die sich an der Umsetzung von IPSY beteiligen, ist durchweg positiv“, bilanziert Prof. Silbereisen.
 In verschiedenen Untersuchungen zum Programm IPSY haben die Entwicklungspsychologen nach den Wirkmechanismen ihres Programms gesucht, aber auch, ob das Programm bei Untergruppen gleich effektiv ist. „Sowohl Jungen als auch Mädchen profitieren von unserem Programm“, so Dr. Weichold. Während bei den Mädchen vor allem das Selbstwertgefühl gestärkt wird, gewinnen Jungen deutlicher an Kommunikationskompetenz. „Insgesamt führt IPSY dazu, dass die Kinder weniger leicht durch Gruppendruck zu beeinflussen sind und es ihnen leichter fällt, ,Nein‘ zu Alkohol oder Zigaretten zu sagen.“ Als weiterer positiver Effekt verstärke sich durch IPSY die Bindung der Schüler an ihre Schule. „Das hat zur Folge, dass sich die Jugendlichen mit ihrer Schule stärker identifizieren, sich dort wohl und ernst genommen fühlen“, erläutert die Jenaer Psychologin.

27. April 2011
 Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, Friedrich-Schiller-Universität Jena