Leib und Seele zusammenhalten

Wer an die Einheit von Körper und Geist glaubt, lebt gesünder. Psychologen der Universität zu Köln untersuchten den Einfluss der Philosophie des Geistes auf die Ernährung.

Seit Jahrhunderten beschäftigt sich die Wissenschaft mit dem sogenannten Leib-Seele-Problem (auch Körper-Geist-Problem). Es stellt die Frage nach dem Zusammenhang zwischen körperlichen Zuständen (dem Leib, dem Körper, dem Gehirn, dem Materiellen) und geistigen Vorgängen (dem Geist, dem Denken, der Seele, dem Bewusstsein).
Im Verlauf der wissenschaftlichen Debatte haben sich verschiedene philosophische Grundpositionen herausgebildet: Dem sogenannten Dualismus zufolge sind Geist und Materie zwei unterschiedliche Substanzen, die allerdings an bestimmten Stellen miteinander kommunizieren können. Dualisten, das heißt Menschen, die der Überzeugung sind, dass Körper und Geist unabhängig voneinander sind, sehen ihren Körper nur als eine Art Hülle, in welcher der Geist wohnt. Eine andere Position vertritt der sogenannte Physikalismus: Er geht davon aus, dass Geist und Körper auf denselben physikalischen Substanzen beruhen und untrennbar miteinander verbunden sind.
Psychologen der Arbeitsgruppe „Social Cognition Cologne“ der Universität zu Köln sind nun der Frage nachgegangen, inwiefern diese unterschiedlichen Positionen Einfluss auf das Gesundheitsverhalten haben können. In einer Universitäts-Mensa beobachteten sie, welche Speisen ihre Versuchspersonen auswählten, nachdem sie entweder einen Text über Dualismus oder über Physikalismus gelesen hatten.
Probanden, die die Abhandlung über die Trennung von Körper und Geist gelesen hatten, wählten mit größerer Wahrscheinlichkeit ungesündere Speisen aus als Probanden, die zuvor einen Text über die Einheit von Körper und Geist gelesen hatten.
In einer weiteren Untersuchung hatten die Versuchspersonen zusätzlich die Wahl zwischen verschiedenen Kochbüchern als Belohnung für ihre Versuchsteilnahme. Ein Teil der Kochbücher beschäftigte sich mit der Zubereitung ungesunder Speisen (Barbecue oder Desserts), andere stellten gesunde Speisen (vegetarische Mahlzeiten) vor.
Wieder wählten Dualisten häufiger ein ungesundes Kochbuch aus als Physikalisten.
Die Forscher schließen daraus, dass Menschen, die an die Einheit von Körper und Geist glauben, gesundheitsbewusster leben. 
Die Forschungsergebnisse der Kölner Psychologen könnten somit Grundlage für neuartige Interventionen im Gesundheitsbereich sein. Denkbar ist beispielsweise, dass eine Verstärkung der Ansicht, dass der Geist aus dem Körper hervorgeht, bei Risiko-Patienten dazu führt, dass diese eine positivere Einstellung gegenüber gesundheitsförderlichem Verhalten entwickeln und solches Verhalten dann auch mit einer größeren Wahrscheinlichkeit umsetzen.

Literatur
Forstmann, M., Burgmer, P. & Mussweiler, T. (in press). The mind is willing, but the flesh is weak: The effects of mind-body dualism on health behavior. Psychological Science.

 

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft