Liebe macht zuversichtlich

Neurotische Menschen profitieren von romantischen Partnerschaften. Zu diesem Ergebnis kamen Psychologen der Friedrich-Schiller-Universität Jena in einer aktuellen Studie.

Eine glückliche Liebesbeziehung gehört für Menschen in unserem Kulturkreis zu den wichtigsten Glücksfaktoren. Wie sich eine romantische Beziehung im jungen Erwachsenenalter auf die Persönlichkeitsentwicklung auswirkt, untersuchten nun Psychologen der Friedrich-Schiller-Universität Jena in Zusammenarbeit mit Kollegen der Universität Kassel.
Die Wissenschaftler konzentrierten sich in ihrer Studie auf Neurotizismus, eine der fünf Hauptdimensionen im Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeit, den sogenannten „Big Five“. Neurotische Menschen neigen dazu, eher ängstlich, unsicher und gereizt zu reagieren. Sie neigen zu Depressionen, haben häufig ein geringes Selbstwertgefühl und sind oft unzufrieden mit dem Leben.
Im Rahmen der Untersuchung begleiteten die Psychologen insgesamt 245 Paare im Alter zwischen 18 und 30 Jahren über einen Zeitraum von neun Monaten und befragten in Abständen von drei Monaten die jeweiligen Partner getrennt voneinander. Mittels eines Online-Fragebogens wurde neben der Zufriedenheit mit der Beziehung auch erfasst, als wie neurotisch sich die Versuchsteilnehmer beschrieben. Zudem bewerteten die Probanden fiktive Alltagssituationen und ihre mögliche Bedeutung für die eigene Partnerschaft.
Besonders dieser dritte Teil war für die Wissenschaftler interessant. Denn neurotische Personen verarbeiten Umwelteinflüsse anders: Sie sprechen stärker auf negative Reize an und neigen dazu, mehrdeutige Situationen negativ anstatt positiv oder neutral zu interpretieren.
In der Auswertung zeigte sich, dass die Tendenz der Teilnehmer, so zu reagieren, im Verlauf ihrer Liebesbeziehungen schrittweise abnahm. Diesen Effekt beobachteten die Wissenschaftler sowohl bei Männern als auch bei Frauen – umso stärker, je länger und glücklicher die Partnerschaft war.
Die Forscher gehen davon aus, dass die gefundene Veränderung einerseits durch die gegenseitige Stärkung der Partner zu erklären sei. Andererseits spiele vermutlich die Gedankenwelt eine entscheidende Rolle. So würden die positiven Erfahrungen und Emotionen mit dem Partner die Persönlichkeit indirekt beeinflussen und zu einer Veränderung der Denkstrukturen und der Wahrnehmung von vermeintlich negativen Situationen führen. Offenbar helfe eine glückliche Liebe, negatives Denken abzulegen und zuversichtlicher durch das Leben zu gehen.

Literatur
Finn, C., Mitte, K. & Neyer, F. J. (in press). Recent decreases in specific interpretation biases predict decreases in neuroticism. Evidence from a longitudinal study with young adult couples. Journal of Personality.


Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Foto © Jan-Peter Kasper (Friedrich-Schiller-Universität Jena)


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