Lieber "Nein" als gar keine Antwort

Ein Minimum an Aufmerksamkeit kann die negativen Gefühle im Zusammenhang mit sozialer Ausgrenzung reduzieren. Dies berichten Psychologen der Universität Basel (Schweiz).

In Auswahlsituationen, wie etwa bei der Bewerbung um ein Stipendium oder eine Arbeitsstelle, gibt es meist nur einen "Gewinner" und viele "Verlierer". Für alle erfolglosen Bewerber ist die Absage mit negativen Emotionen und einem Gefühl von Zurückweisung verbunden, das einem sozialen Ausschluss gleichkommt. Bisherige Forschung zeigte, dass Individuen sehr sensibel auf Anzeichen sozialer Ausgrenzung reagieren. Denn diese bedroht das fundamentale Bedürfnis des Menschen nach Zugehörigkeit, Selbstwert und Kontrolle – und kann ähnlich gravierende psychische Folgen haben wie aktive Aggressionen oder Mobbing.

Ball spielen und Wohnung suchen


Bisher haben sich nur wenige Studien der Frage gewidmet, welche Faktoren das negative Gefühl der Ausgrenzung abmildern können. Psychologen der Universität Basel (Schweiz) und der Purdue University (USA) untersuchten nun, wie sich Personen fühlen, die zunächst sozial ausgeschlossen und anschließend wieder integriert werden, und wie sich ein geringes Maß an Aufmerksamkeit auf ausgeschlossene Personen auswirkt. In einem der Experiment spielten die Teilnehmer ein virtuelles Ballspiel, bei dem sie allerdings von ihren vermeintlichen Mitspielern bis kurz vor Schluss nie den Ball zugespielt bekamen. Andere Probanden nahmen an einer fiktiven Wohnungssuche teil, bei der minimale Aufmerksamkeit dadurch simuliert wurde, dass sie eine neutrale, eine nette oder eine unfreundliche Absage erhielten.

Jede Form der Anerkennung hilft

Alle Untersuchungen zeigten, dass bereits kleinste Zeichen von Integration und Aufmerksamkeit die Stimmung nach sozialer Ausgrenzung verbesserten. Auch Absagen oder unfreundliche Kommentare förderten das Wohlbefinden mehr als von anderen Personen ignoriert zu werden. So schnell und sensibel die Menschen also auf Ausschluss reagierten – sie ließen sich dennoch von Zeichen der Wiedereingliederung und Aufmerksamkeit beeinflussen.

Das Gute an Absagen und Kritik

Diese Erkenntnis hat wichtige Implikationen, etwa für die Behandlung von Bewerbern bei Auswahlprozessen, betonen die Psychologen: Personalverantwortliche, Universitäten oder Vermieter sollten sich darüber im Klaren sein, dass sie abgelehnten Kandidaten ein Mindestmaß an Aufmerksamkeit, etwa mit einem Brief oder einer E-Mail, entgegenbringen sollten. Auch im Arbeitsleben sei es für Arbeitnehmer langfristig günstiger, negative Rückmeldung zu erhalten als gar keine.

Literatur
Rudert, S.C., Hales, A.H., Greifeneder, R. & Williams, K.D. (2017). When silence is not golden: Why acknowledgment matters even when being excluded [Abstract]. Personality and Social Psychology Bulletin, 43 (5), 678–692.

16. Mai 2017
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Symbolfoto: © BlueSkyImages – Fotolia.com

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