Macbeth-Effekt nach Gewaltspielen

Unerfahrene Nutzer zeigen nach dem Spielen gewalthaltiger Videospiele den Macbeth-Effekt – das Bedürfnis sich zu reinigen. Dies wiesen Moralpsychologen in einer Studie der Universität Marburg in Zusammenarbeit mit der Université du Luxembourg nach.

„Fort, verdammter Fleck! fort, sag ich!“, ruft Shakespeares Lady Macbeth. Wem, wie ihr und ihrem Mann, Blut an den Händen klebt – sei es nun im eigentlichen oder im übertragenen Sinne – der hat den Wunsch, sich von diesem rein zu waschen. Moralpsychologen nennen dieses psychologische Phänomen den „Macbeth-Effekt“: das Bedürfnis, sich zu äußerlich zu reinigen, um die moralische Reinheit wiederherzustellen. Durch Säuberung versuchen Menschen, mit den Gefühlen der eigenen moralischen Verfehlungen umzugehen. In einem Experiment untersuchten Psychologen der Universität Marburg in Zusammenarbeit mit Kollegen der Université du Luxembourg, ob der „Macbeth-Effekt“ auch im Zusammenhang mit dem Spielen von Gewaltspielen auftritt.
Die 76 Versuchsteilnehmer spielten zunächst 15 Minuten lang eines von zwei gewalthaltigen Videospiel – in denen sich die Gewalt gegen Objekt oder menschliche Wesen richtete. Zudem wurden die Vorerfahrungen der Probanden mit Spielen dieser Art und ihre Ansichten zu Gewaltspielen erfasst. Im Anschluss wurden die Versuchspersonen dazu aufgefordert, sich als Belohnung für ihre Teilnahme vier von zehn kleinen Geschenken auszusuchen.
Es zeigte sich, dass sich unerfahrene Videospieler – im Gegensatz zu jenen, die des Öfteren gewalthaltige Videospiele spielten – häufiger für Hygiene-Produkte wie Duschgel, Zahnpasta oder Deodorants als Geschenk entschieden. Zudem waren es die unerfahrenen Spieler, die die Gewalt in Videospielen als moralische Belastung empfanden, besonders dann, wenn im Spiel gewaltsam gegen Menschen vorgegangen wurde.
Offenbar kann das Spielen gewalthaltiger Computerspiele bei unerfahrenen Nutzern den Macbeth-Effekt auslösen. Erfahrene Spieler scheinen jedoch andere Strategien anzuwenden, um mit der Gewalt in Spielen umzugehen.
Zukünftige Studien sollen weitere Zusammenhänge zwischen Moral und medialer Gewalt untersuchen und Aufschluss darüber geben, welche negativen Auswirkungen der langfristige Konsum gewalthaltiger Medien auf das Aggressionsverhalten haben könnte.

Literatur
Gollwitzer, M. & Melzer, A. (in press). Macbeth and the joystick: Evidence for moral cleansing after playing a violent video game. Journal of Experimental Social Psychology.


Quelle: Informationsdienst Wissenschaft