Macht Karriere glücklich?

Erfolg macht nicht unbedingt zufriedener – auf die Bewertung der eigenen beruflichen Entwicklung kommt es an. Das sagen Sozialpsychologen der Universität Erlangen-Nürnberg.

Berufliche Entfaltung, Karriere und Erfolg spielen eine wichtige Rolle im Leben vieler Menschen. Aber machen diese Dinge uns auch glücklicher und zufriedener? Dieser Frage ging nun ein Team von Sozialpsychologen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg in einer großangelegten Längsschnittstudie nach.

Befragung von fast 1.000 Hochschulabsolventen

Die Forscher befragten insgesamt 990 Berufstätige zehn Jahre nach ihrem Hochschulabschluss im Abstand von zwei Jahren zweimal zu ihrem Berufserfolg, zur Bewertung ihrer beruflichen Leistungen und zu ihrer Lebenszufriedenheit. Als Indikatoren für den objektiven beruflichen Erfolg wurden das Einkommen sowie die berufliche Verantwortung (Führungsposition, Projektverantwortung) herangezogen. Die persönliche Bewertung des Berufserfolgs setze sich aus zwei Vergleichen zusammen: Zum einen verglichen sich die Befragten mit früheren Kommilitonen, Akademikern im Allgemeinen und den eigenen Kollegen (sozialer Vergleich). Zum anderen bewerteten sie, wie zufrieden sie mit verschiedenen Aspekten ihrer Karriere waren, zum Beispiel mit ihrem Einkommen (Abgleich mit persönlichen Zielen).

Auf die Bewertung kommt es an

Die Forscher analysierten nicht nur den direkten Zusammenhang zwischen Berufserfolg und Lebenszufriedenheit, sondern auch, wie sich dieser verändert, wenn die persönlichen Erfolgsbewertungen berücksichtigt werden.

Die Analysen zeigten, dass Berufserfolg zum ersten Befragungszeitpunkt nur dann zu mehr Lebenszufriedenheit zum zweiten Zeitpunkt führte, wenn die Befragten ihre Karriere auch selbst positiv bewerteten, wenn sie sich also im Vergleich mit anderen gut einschätzten und wenn sich die beruflichen Leistungen mit den persönlichen Zielen deckten.

Indirekter Zusammenhang zwischen Erfolg und Zufriedenheit


Die objektiven Maße allein, hingen hingegen nicht mit einer höheren Zufriedenheit zusammen. Im Gegenteil: Wurde der subjektive Erfolg herausgerechnet, wurde der Zusammenhang von objektivem Erfolg und Lebenszufriedenheit sogar leicht negativ. Dies sei möglicherweise dadurch zu begründen, dass beruflich erfolgreiche Personen wenig Zeit für andere Lebensbereiche haben – und entsprechend weniger Zufriedenheit aus diesen schöpfen können.

Der Zusammenhang zwischen beruflichem Erfolg und Lebenszufriedenheit scheint somit ein indirekter zu sein: Er wird maßgeblich durch subjektive Bewertungsprozesse beeinflusst.

Literatur

Abele, A. E., Hagmaier, T. & Spurk, D. (in press). Does career success make you happy? The mediating role of multiple subjective success evaluations [Abstract]. Journal of Happiness Studies.

18. November 2015
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Psychologie
Symbolfoto: © MAXFX - fotolia.com


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