Mächtige lernen eher aus Fehlern

Mächtige Personen reflektieren mehr über ihr eigenes Verhalten als andere – allerdings nur dann, wenn zuvor etwas schief gelaufen ist. Zu diesem Schluss kam eine Studie des Leibniz-Instituts für Wissensmedien.

Führungspositionen verlangen oft schnelle Entscheidungen – eine Herausforderung in einer immer komplexer werdenden Geschäftswelt, in der verschiedenste Faktoren berücksichtigt werden müssen. Da ist es nicht verwunderlich, wenn mitunter nicht das sinnvollste Vorgehen gewählt wird, wenn Fehler passieren.

Inwiefern reflektieren Menschen in Machtpositionen im Nachhinein ihr Handlungen und Beschlüsse sowie deren Richtigkeit und mögliche Alternativen? Dieser Frage ging ein Team von Psychologen des Leibniz-Instituts für Wissensmedien in Tübingen in einer aktuellen Studie nach.

Führungskräfte und Mitarbeitende befragt

Unter anderem luden die Wissenschaftler Führungskräfte und Mitarbeiter aus deutschen und amerikanischen Unternehmen zu einer Online-Befragung ein. In dieser sollten sich die Führungskräfte an eine Zusammenarbeit mit einem Mitarbeiter erinnern, mit deren Verlauf sie unzufrieden waren. Analog erinnerten sich die Mitarbeiter an eine misslungene Kooperation mit ihren Vorgesetzten. Die Teilnehmer hatten die Aufgabe, spontan all ihre Gedanken im Zusammenhang mit dieser erinnerten Situation anzugeben. Für die Wissenschaftler waren vor allem jene Gedanken relevant, die Alternativen zum eigenen Verhalten beinhalteten, die möglicherweise zu einem besseren Ergebnis geführt hätten.

Mehr erdachte Verhaltensalternativen bei Mächtigen


Es zeigte sich, dass die Führungskräfte im Allgemeinen mehr solcher Gedanken zu Verhaltensalternativen generierten als die Mitarbeiter – allerdings immer nur bezüglich Situationen, in denen ein Misserfolg eingetreten war. In weiteren experimentellen Versuchen konnten die Tübinger Forscher nachweisen, dass dieser Effekt tatsächlich durch den Machtunterschied begründet werden konnte. Erklärbar sei dies durch die Überzeugung der mächtigeren Personen, mehr zum gemeinsamen Erfolg – oder eben Misserfolg – beitragen zu können. In der Konsequenz führe dies dazu, dass mächtige Personen mehr aus den eigenen Fehlern lernten.

Literatur
Scholl, A., & Sassenberg, K. (2014). Where could we stand if I had…? How social power impacts counterfactual thinking after failure. Journal of Experimental Social Psychology, 53, 51-61.


21. Juli 2014
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Foto © .shock – fotolia.com


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