Mädchen finden leichter Freunde

Nach einem Schulwechsel schließen Mädchen leichter neue Freundschaften als Jungen. Zu diesem Schluss kam ein Team von Entwicklungspsychologen der Leuphana Universität Lüneburg.

[24.01.2014] In der Phase des beginnenden Jugendalters gewinnen Freundschaften zu Gleichaltrigen stark an Bedeutung. Entwicklungspsychologen untersuchten in einer aktuellen Studie nun die Dynamik neu entstehender Freundschaften unter Jugendlichen und gingen vor allem der Frage nach, wie gut es Schülern nach einem Schulwechsel gelingt, Freundschaften zu neuen Klassenkameraden aufzubauen.
An der Studie beteiligten sich insgesamt 380 Schülerinnen und Schüler aus Brandenburg. In diesem Bundesland wechseln Kinder erst nach der sechsten Klasse – also im Alter von 12 bis 14 Jahren – auf eine weiterführende Schule. Bei diesem Schulwechsel werden bestehende Freundschaften meist auseinandergerissen.
Zu Beginn und während der Studie gaben die Teilnehmer an, welche ihrer Klassenkameraden sie als Freunde bezeichnen würden. Als echte Freundschaften wurden von den Wissenschaftlern nur gegenseitige Nennungen gezählt. Auf diese Weise erfassten die Forscher, wie sich das Beziehungsgeflecht in der Klasse während des ersten gemeinsamen Schuljahres entwickelte.
Es zeigte sich, dass Mädchen drei Monate nach dem Schulwechsel unter ihren Klassenkameraden im Schnitt zwei Freundinnen hatten, Jungen hingegen nur einen Freund.
Dieser Vorsprung war jedoch nicht von Dauer: Im Laufe des Schuljahres verloren die Schülerinnen durchschnittlich eine der beiden Freundinnen und hatten am Ende – wie die Jungen auch – nur noch einen Freund.
Die Lüneburger Psychologen betonen, dass eine neue Klasse ein Markt von Beziehungsmöglichkeiten sei, den anscheinend besonders die Mädchen bereitwillig austesteten. So freundeten sie sich anfangs mit mehreren Klassenkameradinnen an, auch wenn sich später oft herausstelle, dass es für eine tiefere Freundschaft doch an einer gemeinsamen Basis fehle.
Die Wissenschaftler befragten die Jugendlichen zudem dazu, wie sie mit Konflikten in der Freundschaft umgehen. Es zeigte sich, dass jene Schüler im Schnitt mehr Freunde hatten als andere, die sich bei einem Streit auch einmal zurückzogen und die Unstimmigkeit auf sich beruhen ließen.
Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung, erstaunte die Wissenschaftler: Lästern über andere scheine anfangs dabei zu helfen, neue Freunde zu finden: Die „Lästermäuler“ in der Studie hatten am Ende des Schuljahres signifikant mehr Freunde. Auch wenn es sich dabei an sich um ein aggressives Beziehungsverhalten handele, scheine, den Forschern zufolge, ein anderer Aspekt des Lästerns zu Beginn einer Freundschaft zu überwiegen: Wer mit jemandem negative Ansichten über eine dritte Person austausche, schaffe damit Zusammengehörigkeitsgefühl. Allerdings nur bis zu einem gewissen Grad: Die Schüler, die besonders extrem nach dem Motto „lästern, lügen, leiden lassen“ verfuhren, verloren bis zum Ende des Schuljahres meist sämtliche Freunde.

Literatur
Von Salisch, M., Zeman, J., Lüpschen, N. & Kanevski, R. (in press). Prospective relations between adolescents’ social-emotional competencies and their friendships. Social Development.

Quelle: Leuphana Universität Lüneburg

 

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