Mehr Einsatz, mehr musikalischer Genuss

Körperliche Anstrengung beim Musizieren erhöht die Wertschätzung gegenüber den erzeugten Klängen: Wissenschaftler der Max-Planck-Gesellschaft untersuchten den sogenannten „Band-Effekt“.

Viele Musiker kennen dieses Phänomen: Sie empfinden ihre Musik in dem Moment, in dem sie sie selbst produzieren, schöner als im Nachhinein, wenn sie sich das gleiche Stück noch einmal anhören. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften untersuchten diesen sogenannten „Band-Effekt“ am Beispiel der musiktherapeutischen Methode „Jymmin“.

Bewegung erzeugt Musik

Beim Jymmin, dessen Name sich aus „jamming“ und „gym“ ableitet, handelt es sich um eine Mischung aus freiem musikalischen Improvisieren und Sport: Fitnessgeräte wie Zugstange oder Stepper können dank einer eigens entwickelten Kompositionssoftware als Musikinstrumente genutzt werden und erzeugen über die ausgeführte Sportübung Klänge – kontrolliert etwa durch die Stärke der Bewegung.

Mehr Toleranz gegenüber anderen Musikrichtungen

In mehreren Studien testeten die Max-Planck-Forscher die Effekte der Methode. Dabei zeigte sich, dass es durch die Kombination von Musik und körperlicher Verausgabung zu einer positiven Verzerrung kam: Die Versuchspersonen empfanden die Musik als wesentlich schöner und erfuhren einen Belohnungseffekt, sobald sie sie selbst produzierten – selbst dann, wenn der Musikstil eigentlich nicht ihrem persönlichen Geschmack entsprach. Musik selbst aktiv – und vor allem mit hohem körperlichen Einsatz – zu erzeugen statt sie nur passiv zu konsumieren, veränderte also das ästhetische Empfinden.

Körperlicher Einsatz erhöht ästhetische Wertschätzung

Diese Beobachtungen könnten unter anderem erklären, warum Musiker ihre eigene Performance während des Musizierens als befriedigender empfinden als wenn sie ihr lediglich lauschen – wobei in diesem Fall sicher auch das gemeinsame Musizieren eine entscheidende Rolle spielt. Zudem machen die Ergebnisse aber auch deutlich, dass sich Musik als Therapiemethode unter bestimmten Voraussetzungen deutlich breiter und einfacher einsetzen lässt als bisher vermutet – nämlich unabhängig vom persönlichen Musikgeschmack der Patienten.

Weniger Scheu vor dem Musizieren

Ein weiterer positiver Effekt des Jymmin: Bei dieser Methode scheint die Scheu zu entfallen, die Menschen häufig vor einer Musiktherapie haben. Denn Jymmin gibt den Musizierenden nur wenige Freiheitsgrade, sodass der Einzelne nichts falsch machen kann – und dennoch eine ästhetische Erfahrung hat.

Literatur
Fritz, T., Schneider, L. & Villringer, A. (2016). The band effect – Physically strenuous music making increases aesthetic appreciation of music. Frontiers in Neuroscience, 10 (448).

23. März 2017
Quelle: Max-Planck-Gesellschaft
Symbolfoto: © Thibault Trillet – pexels.com


Weitere Beiträge zum Thema

Kognitive Stile beeinflussen den Musikgeschmack