Mineralöl in Adventskalendern?

Das neue Jahr ist da und schon bald wandern die Weihnachtsdekorationen wieder zurück in den Keller. Doch bleibt in diesem Jahr ein etwas bitterer Nachgeschmack aus der Adventszeit zurück.

Ende November 2012 hatte die Stiftung Warentest die Schokolade von Adventskalendern untersucht und eine scheinbar schockierende Entdeckung gemacht: 24 der getesteten Kalender enthielten Rückstände von Mineralöl und ähnlichen Substanzen, die im Verdacht stehen, Krebs zu verursachen. In manchen Produkten waren es mehr als zehn Milligramm pro Kilogramm Schokolade. Mehrere Firmen riefen daraufhin ihre Produkte zurück – mit Schäden für die Hersteller von mehreren 100.000 Euro. Der Psychologe Prof. Dr. Gerd Gigerenzer vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin stellte die vermeintlichen Giftfunde zusammen mit dem Statistiker Prof. Dr. Walter Krämer und dem Ökonomen Prof. Dr. Thomas K. Bauer allerdings schon im Dezember in den Fokus seiner „Unstatistik des Monats".
In ihrer Presseinformation wiesen die Wissenschaftler darauf hin, dass nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung von den gefundenen Mineralölrückständen keine zusätzlichen Gesundheitsgefahren ausgingen. Die nachgewiesenen Mengen entsprächen in etwa dem, was Kinder und Erwachsene ohnehin gewohnheitsmäßig über die Ernährung zu sich nehmen. Zudem führe nach Ansicht der Forscher auch der Hinweis der Stiftung Warentest, die gefundenen Stoffe hätten in Lebensmitteln nichts zu suchen, besonders weil sie im Verdacht stünden, Krebs zu erzeugen, zu weiterer Desinformation. An diesem Punkt offenbare sich ein bedenkliches Kenntnisdefizit: Krebserregende Stoffe seien vermutlich in sämtlichen Lebensmitteln vorhanden – allerdings in so minimalen Mengen, dass sie für die Gesundheit völlig unbedenklich seien.
Die Wissenschaftler betonten, dass viele der in Deutschland regelmäßig publizierten Meldungen über Giftfunde aller Art eher in die Kategorie der „kontraproduktiven Panikmache" einzuordnen seien. Eine stetige Verfeinerung der Analysemethoden führe dazu, dass „alles in allem gefunden wird“. Unter diesen Bedingungen, schließen die Forscher, sollten derartige Funde aber keine Zeitungsmeldung wert sein.
Die Aktion „Unstatistik des Monats" wurde im Jahr 2012 von Prof. Dr. Gerd Gigerenzer, Prof. Dr. Walter Krämer und Prof. Dr. Thomas K. Bauer ins Leben gerufen. Ihr gemeinsames Ziel ist es, regelmäßig aktuell veröffentlichte Statistiken und deren Interpretationen zu hinterfragen. Dies soll dazu beitragen, den vernünftigen Umgang mit statistischen Daten zu fördern.

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Unstatistik des Monats

Quelle: Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

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