Mit Bewegung gegen Depressionen

Bereits leichte körperliche Bewegung kann Frauen mit früheren Depressionen helfen, neuen Stress besser zu bewältigen. Zu diesem Resultat kommt eine Studie von Psychologen der Universität Basel.

Depressionen gehören zu den verbreitetsten psychischen Erkrankungen; Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Es wird angenommen, dass Menschen, die bereits einmal von einer depressiven Episode betroffen waren, eine so genannte Sensibilisierung erfahren: Sie erleben in Folge der Depression mehr Stresssituationen und reagieren gleichzeitig stärker auf sie. Dies macht sie wiederum anfälliger für weitere depressive Episoden. Mehr als 80 Prozent derer, die bereits einmal eine depressive Episode erlebt haben, machen noch mindestens eine weitere durch. Psychologen der Universität Basel betrachteten nun in einem Experiment den Einfluss von Bewegung auf das Stresserleben depressiver Frauen.
Für ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler 41 Frauen, die mindestens eine depressive Episode hinter sich hatten, und 40 gesunde Frauen. Jeweils die Hälfte der Probandinnen der beiden Gruppen trat zu Beginn des Versuchs für eine Viertelstunde in die Pedalen eines Hometrainers. Die anderen blätterten währenddessen in einer Zeitschrift. Anschließend wurden die Teilnehmerinnen beider Gruppen durch zwei sehr traurige Filmausschnitte emotional gestresst.
Wie von den Forschern erwartet, zeigten die gesunden Probandinnen nach dem ersten Filmausschnitt einen starken negativen Affekt und – wegen des Gewöhnungseffekts – eine geringere Reaktion auf den zweiten. Dabei traten keine Reaktionsunterschiede zwischen den Personen auf, die sich zu Beginn bewegt hatten und denen, die sich nicht bewegt hatten.
Im Gegensatz dazu zeigte sich in der Gruppe von Probandinnen, die früher eine Depression erlebt hatten, jedoch ein starker Einfluss des Bewegungsverhaltens. In dieser Gruppe berichteten die Frauen, die zu Beginn eine Zeitschrift gelesen hatten, nach dem ersten Filmausschnitt von einem starken negativen Affekt, der nach dem zweiten Ausschnitt sogar noch stärker wurde. Anders als die Probandinnen, die sich zu Beginn bewegt hatten: Diese zeigten nach dem ersten Filmausschnitt zwar ebenfalls einen stark erhöhten negativen Affekt, dann aber eine deutlich schwächere Reaktion auf den zweiten. Dieser Verlauf glich also der Gewöhnungsreaktion in der gesunden Kontrollgruppe. Eine Viertelstunde Fahrradfahren hatte scheinbar die Gruppe mit früheren Depressionen und die gesunde Kontrollgruppe in Bezug auf ihre emotionale Reaktion auf den emotionalen Stress vergleichbar gemacht.
Möglicherweise könnten, so folgern die Forscher, bereits leichte körperliche Aktivitäten vorbeugend gegen weitere depressive Episoden wirken. Die Baseler Wissenschaftler betonen allerdings, dass der beobachtete Effekt zunächst durch weitere Studien und außerhalb des Labors bestätigt werden müsse.

Literatur
Mata, J., Hogan, C. L., Joormann, J., Waugh, C. E. & Gotlib, I. H. (in press). Acute exercise attenuates negative affect following repeated sad mood inductions in persons who have recovered from depression. Journal of Abnormal Psychology.


Quelle: Informationsdienst Wissenschaft