Mit schneller Hilfe durch die Angst

Wie Hausärzte und deren Praxismitarbeiter Patienten mit Angststörungen schnell und effektiv helfen können, prüfen Psychologen und Allgemeinmediziner des Uniklinikums Jena in einer aktuellen Studie.

Wenn Menschen unter einem plötzlich auftretenden Gefühl der Beklemmung leiden, wenn sie Atemprobleme haben oder das Herz rast, führt sie in der Regel der erste Weg zu ihrem Hausarzt. Doch oft steckt hinter den Beschwerden keine körperliche Ursache, sondern eine Angstattacke. Immerhin ein Siebtel der Allgemeinbevölkerung hat schon mindestens einmal einen solchen Angstanfall erlebt. Doch auch wenn eine Angststörung richtig als solche erkannt wird, bleibt oft die Hausarztpraxis die einzige Anlaufstelle – weil der Patient es so möchte oder weil eine fachspezifische Behandlung erst nach Monaten Wartezeit verfügbar ist. In einer vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Studie, wollen Allgemeinmediziner und Psychologen des Instituts für Allgemeinmedizin am Uniklinikum Jena nun prüfen, wie Hausärzte und deren Praxismitarbeiter Patienten mit Angststörungen effektiv helfen können.
Zu diesem Zweck entwickelten die Wissenschaftler ein Übungsprogramm mit dem Namen „Jena-Paradies“. „Paradies“ steht für „patient activation for anxiety disorders“ („Patienten zur Behandlung der Angststörung aktivieren“). Im Vordergrund des Programms steht der Umgang mit Angstattacken, die spontan oder in bestimmten Lebenssituationen auftreten können. Ziel ist es, eine Verbesserung der Angstsymptomatik bei Patienten mit einer so gekennzeichneten Panikstörung durch ein Patienten-Selbsttraining zu erreichen.
Im Rahmen des Programms durchlaufen die Patienten ein selbstgesteuertes Expositionstraining, in dem sie das Erleben der eigenen Angst üben. Unterstützen soll sie dabei das Praxisteam ihrer Hausarztpraxis. Die teilnehmenden Hausärzte werden zu diesem Zweck bezüglich der Grundlagen, der Diagnostik und der Therapie der Panikstörung geschult. Die Patienten wenden das Manual nach Einführung durch den Hausarzt schließlich selbstständig an. Sechs Monate lang werden sie dabei aktiv von ihrem Arzt und einem geschulten Praxismitarbeiter begleitet und in regelmäßigen Anrufen zum Fortschreiten des Trainings und den einzelnen Behandlungsschritten befragt.
In über 70 Hausarztpraxen wollen die Jenaer Wissenschaftler in den kommenden drei Jahren die Wirksamkeit des von ihnen entwickelten Programms testen.

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Quelle: Informationsdienst Wissenschaft