Multitasking stört Langzeiterinnerung

Wie Erinnerungen im Gehirn miteinander konkurrieren, untersuchten Wissenschaftler der Technischen Universität Braunschweig in einer aktuellen neurologischen Tierstudie.

Eine Weile lernen, dann zur Entspannung etwas im Internet surfen oder fernsehen, anschließend wieder etwas lernen, dabei Musik hören, noch schnell die eine oder andere Information nachlesen und zwischendurch immer wieder Chatnachrichten und E-Mails abrufen: So häufig ein solches oder ähnliches Vorgehen vorkommt, dem Wissenserwerb ist es nicht zuträglich. Darauf lassen Ergebnisse einer Tierstudie der Technischen Universität Braunschweig schließen. Die beteiligten Forscher waren darin der Frage nachgegangen, welche Informationen wie vom Kurzzeitgedächtnis ins Langzeitgedächtnis gelangen.

Untersuchungen am Rattengehirn

Für ihre Untersuchung fertigten sie Hirnschnitte vom rechten Hippocampus eines Rattengehirns an, also von der für das Faktenlernen entscheidenden Gehirnregion. Mit Hilfe von Elektroden stimulierten und aktivierten sie anschließend über einen Zeitraum von mehr als zehn Stunden verschiedene Gruppen von Synapsen.

Es zeigte sich, dass Reize vor ihrem Übergang vom Kurz- ins Langzeitgedächtnis in Konkurrenz zueinander stehen. Um synaptische Verbindungen langfristig zu verstärken, sind bestimmte Eiweißmoleküle nötig. Wird nun innerhalb einer Stunde nach dem Abspeichern einer Erinnerung ein zweiter Reiz gesetzt, der in assoziativer Verbindung zur Erinnerung steht, wird diese gestärkt. Ist der zweite Reiz jedoch unabhängig, kann er die Eiweißmoleküle der ersten Erinnerung „kapern“ und für sich selbst nutzen. Damit geht die erste Erinnerung verloren und die zweite wird umso erfolgreicher abgespeichert.

Kleine Lerneinheiten sind physiologisch sinnvoll

Nach Ansicht der Wissenschaftler erklärt dieser „Wettbewerb“ der Erinnerungsreize, warum es besser ist, Lerninhalte auf kleine Portionen und über mehrere Tage zu verteilen. So könnten sie sich gegenseitig verstärken. Das geballte Lernen am Stück hingegen führe dazu, dass sich Lerninhalte gegenseitig Konkurrenz machten. Vor allem aber, so die Forscher, sollte Multitasking beim Lernen vermieden werden. Durch Fernsehen, Surfen im Internet oder auch einen anderen Lernstoff träten neue Reize in Konkurrenz zum Gelernten. Dann entscheide eher der Zufall darüber, welche Informationen es ins Langzeitgedächtnis schafften.

Literatur
Sajikumar, S., Morris, R. G. & Korte, M. (2014). Competition between recently potentiated synaptic inputs reveals a winner-take-all phase of synaptic tagging and capture. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 111 (33), 12217-12221.


Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
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