Narzisstische Vorgesetzte helfen der Karriere

Der Charakter des Vorgesetzten beeinflusst den Karriereerfolg und das Wohlbefinden der Beschäftigten. Zu diesem Schluss kamen Psychologen der Otto-Friedrich-Universität Bamberg.

Die Charaktermerkmale Narzissmus, Psychopathie und Machiavellismus werden in der Psychologie im Persönlichkeitskonstrukt der sogenannten „Dunklen Triade“ zusammengefasst – und haben allgemein keinen besonders guten Ruf: Narzissten haben ein hohes Bedürfnis nach Anerkennung und einen Hang zur Selbstüberhöhung. Psychopathen neigen dazu, impulsiv und wenig empathisch zu handeln. Machiavellistische Personen verhalten sich im Umgang mit anderen manipulativ und rücksichtslos. Doch sind diese unerwünschten und unbeliebten Eigenschaften nur schlecht oder kann aus ihnen auch Positives erwachsen?

Befragung der Mitarbeiter


Dieser Frage gingen Psychologen der Otto-Friedrich-Universität Bamberg in einer aktuellen Studie nach. Sie befragten insgesamt 811 Angestellte zur Persönlichkeit ihrer direkten Vorgesetzten. Nach rund drei Monaten forderten sie dann die gleichen Personen auf, den eigenen Karriereerfolg und das Wohlbefinden im Arbeitsumfeld zu bewerten.

Positiver Effekt narzisstischer Züge


In statistischen Auswertungen nahmen die Forscher den Zusammenhang zwischen den Charaktereigenschaften der Vorgesetzten und dem Wohlbefinden sowie dem Erfolg der Mitarbeiter unter die Lupe. Das überraschende Ergebnis: Während die Mitarbeiter der Führungskräfte mit psychopathischen oder machiavellistischen Eigenschaften seltener mit ihrer Arbeit zufrieden waren und ihre eigenen Aussichten auf Karriere und Erfolg im Unternehmen geringer einschätzten, wirkten sich narzisstische Charaktermerkmale sogar eher positiv aus. Das Wohlbefinden der Beschäftigten nahm nicht ab und bezüglich der Höhe des Gehalts und der Chancen auf Beförderungen zeigte sich ein positiver Effekt.

Bedeutung für die Personalentwicklung


Dennoch betonen die Forscher vor allem, wie wichtig es sei, die negativen Auswirkungen bestimmter Eigenschaften wie Psychopathie oder Machiavellismus auf das Wohlbefinden von Arbeitnehmern in der Personalentwicklung zu beachten. Die Persönlichkeit des Vorgesetzten könne die Gesundheit der Beschäftigten beeinträchtigen und schädigen.

Literatur


Volmer, J., Koch, I.K. & Göritz, A.S. (2016). The bright and dark sides of leaders' Dark Triad traits: Effects on subordinates' career success and well-being [Abstract]. Personality and Individual Differences, 101, 413–418.

18. Oktober 2016

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Symbolfoto: © pexels.com


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