Neue Mutter-Kind-Behandlungseinheit für Frauen mit psychischen Störungen nach der Geburt

Für Mütter mit psychischen Störungen nach einer Geburt bietet die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Jena jetzt eine neue Behandlungsmöglichkeit an: Hier können Frauen während des Klinikaufenthaltes gemeinsam mit ihren Kleinkindern betreut werden. Das neue Angebot, das bisher nur in wenigen psychiatrischen Kliniken zu finden ist, ermöglicht eine Therapie für Mütter, die kurz nach der Geburt eine psychische Störung entwickelt haben und bisher keine stationäre Betreuung wahrnehmen konnten, da ihre Kinder in dieser Zeit nicht versorgt waren.

Seit der Eröffnung der neuen Mutter-Kind-Behandlungseinheit, die auf der Depressionsstation entstanden ist, sind die beiden Zimmer für Mütter durchgehend belegt. „Der Bedarf ist da, zumal bisher nur wenige Kliniken ein solches Angebot machen“, erklärt Dr. Uta Pietsch, Oberärztin in der Jenaer Psychiatrie. Deshalb kommen zu ihr auch Frauen aus Hessen und Sachsen. 

10 bis 15 Prozent aller Mütter erkranken im Wochenbett an einer Depression, sehr selten kann auch eine Wochenbettpsychose oder eine Angststörung auftreten. Diesen Frauen bietet die Jenaer Psychiatrie eine stationäre Behandlung, bei der ihr Baby mit in die Klinik aufgenommen wird. „Wichtig ist: die Mütter versorgen ihr Kind selbst“, erklärt Dr. Uta Pietsch das Konzept. Während der zur Behandlung gehörenden Gruppenzeiten und Therapiesitzungen können die Kleinen stundenweise von Tagesmüttern in der Klinik betreut werden, damit die Frauen ungestört am Therapieprogramm teilnehmen können. Finanziert wird die Kinderbetreuung durch den Förderverein des Klinikums. 

„Das funktioniert sehr gut“, freut sich Dr. Pietsch. Gut funktioniert auch die ungewohnte Anwesenheit von Babys und Kleinkindern auf einer psychiatrischen Station - sowohl für Personal als auch für Patienten. „Wir sind überrascht, wie gut das allen tut“, so Pietsch. 

Aufgenommen werden vor allem Mütter mit Kindern bis zu einem Jahr, in Ausnahmefällen auch mit Kleinkindern. Durchschnittlich sechs bis acht Wochen bleiben die Frauen hier in Behandlung. Unter den Patientinnen sind viele Frauen mit psychischen Vorerkrankungen, aber auch solche, die völlig unerwartet eine behandlungsbedürftige psychische Störung nach der Geburt eines Kindes entwickelt haben. Häufig kommen die Frauen auf Vermittlung ihrer Hebammen zum Arzt und in die Klinik, denn diese sehen am ehesten, wann Hilfe notwendig ist. In der Klinik ist man bemüht, die Plätze kurzfristig und ohne lange Wartezeiten zu vergeben. „Wir hoffen, dass wir das beibehalten können, denn so helfen wir den betroffenen Frauen am besten“, so Dr. Pietsch. 

9. Juni 2010