Onlinekurs hilft gegen Prokrastination

Ein neuer Onlinekurs soll gegen chronisches Aufschieben helfen und zur Etablierung eines besseren Selbst- und Zeitmanagements beitragen. Entwickelt wurde er am Karlsruher Institut für Technologie.

Die meisten Menschen kennen das Phänomen der Prokrastination: Wirklich wichtige und unangenehme Aufgaben und Arbeiten werden nicht sofort bearbeitet, sondern aufgeschoben. Stattdessen wird geputzt, aufgeräumt, telefoniert oder eine andere Arbeit vorgezogen. Dieses Aufschieben nimmt mitunter die Form einer ernsthaften Arbeitsstörung an. Folgen sind ein erheblicher Leidensdruck, Beeinträchtigungen des psychischen Wohlbefindens und sogar ein mögliches Scheitern in Studium oder Beruf. Hilfe soll ein neuer videobasierter Onlinekurs bieten, der von Wissenschaftlern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) entwickelt wurde.

Ergänzung zu überbuchten Kursen

Bereits seit einiger Zeit finden am KIT regelmäßig Seminare statt, in denen Studierende Strategien gegen das Aufschieben lernen. Am ab August 2014 angebotenen Onlinekurs „MOOCen gegen chronisches Aufschieben“ können neben Studierenden, die bisher keinen Platz ergattern konnten, auch alle interessierten Internetnutzer teilnehmen. Neben allgemeinen Informationen zum Thema „Prokrastination“ sollen auch unterschiedliche Strategien vermittelt werden, die helfen, die eigenen Ziele im Auge zu behalten, realistisch zu planen, pünktlich zu beginnen, den eigenen Arbeitsplatz ablenkungsarm zu gestalten und sich selbst zu motivieren. Die Teilnehmer sollen angeregt werden, über das eigene Verhalten nachzudenken und es positiv zu verändern.

Ein Angebot nicht nur für Studierende

Elf Wochen lang wird auf der Internetplattform Iversity wöchentlich ein Kapitel des MOOC freigeschaltet. Jeweils etwa fünf- bis zehnminütige Lehrvideos vermitteln wissenschaftliche Hintergründe zum Phänomen Prokrastination und werden durch Quizfragen, Grafiken und Beispiele ergänzt. Zum Kurskonzept gehört zudem die Bearbeitung von Wochenaufgaben durch die Teilnehmer. Geplant ist weiterhin eine anonymisierte Onlinebefragung am Beginn und am Ende des Kurses, die Basis einer differenzierten Auswertung hinsichtlich der individuellen Ausprägung des Aufschiebeverhaltens sein soll, aber auch dem empirischen Nachweis von Verbesserungen dient.
Obwohl das Programm, nach Angaben der Wissenschaftler, auf Studierende ausgerichtet sei, seien die Strategien und Techniken ohne weiteres auch auf den beruflichen Kontext übertragbar. So könne auch die breite Öffentlichkeit vom Lehrangebot des KIT profitieren.


30. Juli 2014
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Foto © Fernstudienzentrum, KIT


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