Ordnung ist nur das halbe Leben

Wissenschaftler der University of Minnesota (USA) ergründeten die Wirkungen geordneter und ungeordneter Umgebungen.

„Ordnung ist das halbe Leben“, besagt ein deutsches Sprichwort. Stimmt vielleicht. Doch so manch einer zieht es vor, in der anderen Hälfte zu leben. Dass dem so ist, lässt den Gedanken zu, dass beide, Ordnung und Unordnung, eine Daseinsberechtigung und gewisse Vorteile haben. Genau diesen Gedanken legten Psychologen der University of Minnesota (USA) einer Versuchsreihe zugrunde.

Ordnung begünstigt konventionelles Denken

In einem ihrer Experimente ließen sie ihre Probanden eine Reihe von Fragebögen ausfüllen. Die Versuchspersonen saßen währenddessen entweder in einem aufgeräumten oder in einem sehr unordentlichen Raum. Anschließend durften sich die Teilnehmer für einen Snack – einen Schokoriegel oder einen Apfel – entscheiden und wurden gefragt, ob sie etwas Geld für einen wohltätigen Zweck spenden würden.
Es zeigte sich, dass der Aufenthalt in einem ordentlichen Raum den Drang verstärkte, sich „richtig“ zu verhalten: Probanden, die die aufgeräumte Umgebung genossen hatten, spendeten häufiger und mehr und entschieden sich eher für einen gesunden Snack.

Unordnung fördert Kreativität

In einem zweiten Experiment hatten die Probanden die Aufgabe, sich neue Verwendungsmöglichkeiten für einen Tischtennisball zu überlegen. Nun zeigten sich die Vorteile unaufgeräumter Umgebungen: Alles in allem hatten die Teilnehmer, die in einem unordentlichen Raum arbeiteten, zwar nicht mehr Ideen, diese wurden allerdings als interessanter, neuartiger und kreativer eingeschätzt. Zudem bevorzugten Probanden in unaufgeräumter Umgebung eher innovative als konventionelle Produkte.

Übertragbar auf verschiedene Umgebungen

Die Wissenschaftler schließen aus ihren Versuchen, dass ordentliche Räume zu konventionellem, gesundem und großzügigem Verhalten beitragen können. Unordentliche Umgebungen hingegen scheinen es leichter zu machen, sich von konventionellem Denken zu lösen – und können zu mehr Kreativität und neuen Ideen führen.
Die beobachteten Effekte zeigten sich im Übrigen unabhängig von der Art des Raumes: Allein der Grad der Ordnung schien eine Rolle zu spielen. In neuen Untersuchungen sollen die Hypothesen auf eine ganz andere Umgebung – das Internet – übertragen werden. Tatsächlich deuten die ersten Ergebnisse in die Richtung, dass der Grad der Ordnung auf einer Internetseite ähnliche Verhaltensweisen provoziert.

Literatur

Vohs, K.D., Redden, J.P. & Rahinel, R. (2013). Physical order produces healthy choices, generosity, and conventionality, whereas disorder produces creativity. Psychological Science, 24 (9), 1860–1867.

30. August 2016
Quelle: Psychological Science
Symbolfoto: © XtravaganT – Fotolia.com

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