Placebo für kognitive Leistungen

Wer an die eigenen Fähigkeiten glaubt, kann sein Wissen besser abrufen. Psychologen der Universität Witten/Herdecke untersuchten, wie Placebo-Effekte in Wissenstests wirken.

Dass Prüfungsangst und starke Nervosität sich nicht gerade positiv auf die Leistung in Prüfungen und Tests auswirken, ist nichts Neues. Fast jeder stand wohl schon einmal angespannt vor einem Prüfungsraum und hätte sich gewünscht, etwas ruhiger an die Sache herangehen zu können. Psychologen der Universität Witten/Herdecke konnten nun nachweisen, dass tatsächlich schon die Überzeugung von der eigenen Leistungsfähigkeit einen positiven Einfluss auf die kognitive Leistung haben kann.
Im Rahmen ihres Experiments wurden insgesamt 40 Versuchspersonen bezüglich ihres Allgemeinwissens getestet. Die eine Hälfte der Probanden ging unvorbereitet in den Test. Die andere Hälfte hingegen durchlief eine spezielle Vorbereitung: In einem imitierten Probedurchlauf wurden diesen Personen vermeintliche Lösungsworte auf einem Bildschirm gezeigt – erst in langsamer Abfolge, dann immer schneller, bis die Worte nicht mehr zu erkennen waren. Den Probanden wurde dazu erklärt, dass selbst die unterschwellig angezeigten Lösungen einen positiven Effekt auf ihr Wissen haben würden. Dies habe den Versuchspersonen ein Gefühl der Unterstützung vermitteln und sie animieren sollen, der eigenen Intuition und dem eigenen Wissen zu vertrauen. Tatsächlich waren die angezeigten Worte völlig zufällig ausgewählt.
Es zeigte sich, dass die vorbereitete Experimentalgruppe tatsächlich im Wissenstest besser abschnitt als die unvorbereitete Kontrollgruppe: Versuchspersonen der Experimentalgruppe lösten im Durchschnitt 9,9 Aufgaben, Versuchspersonen der Kontrollgruppe dagegen im Durchschnitt nur 8,4.
Da das Wissen der Probanden nicht manipuliert worden war, schließen die Wissenschaftler aus ihrem Ergebnis, dass allein das Gefühl der Unterstützung und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten die Verbesserung der Leistung hervorgerufen hätten. Intervenierend könne, nach Meinung der Forscher, zum Beispiel gewirkt haben, dass die „vorbereiteten“ Probanden sich mehr angestrengten, systematischer überlegten oder ihre eigenen Ängste besser überwinden konnten.
In weiteren Untersuchungen soll es in Zukunft darum gehen, diese Effekte, die mit den aus der Medizin bekannten Placebo-Effekten vergleichbar sind, in anderen Zusammenhängen zu überprüfen – und idealerweise auch die aktive und bewusste Mitarbeit der Probanden sicherzustellen.

Literatur
Weger, U. W. & Loughnan, S. (in press). Mobilizing unused resources: Using the placebo concept to enhance cognitive performance. The Quarterly Journal of Experimental Psychology.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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