Placebos gegen Ekel

Psychologen der Karl-Franzens-Universität Graz belegen die Wirkung von Placebos gegen Symptome des Ekels und liefern damit interessante Therapieansätze.

Fäkalien, unangenehme Gerüche, verdorbene Nahrung, Spinnen oder Blut: Ekelgefühle können viele Ursachen haben. Obwohl diese Emotion natürlich und allen Menschen vertraut ist, sind die Auslöser sowie auch das Ausmaß einer Ekelreaktion doch sehr unterschiedlich. Mitunter nimmt die Abscheu vor etwas exzessive Züge an und ist mit Ängsten verbunden. Das kann bei Betroffenen zu verminderter Lebensqualität sowie zu psychischen Störungen führen. Psychologen der Karl-Franzens-Universität Graz untersuchten in einer aktuellen Studie nun den Einfluss des Placebo-Effekts auf Ekelsymptome.
Insgesamt 34 Frauen, die sich selbst als überdurchschnittlich ekelempfindlich beschrieben, beteiligten sich an der Untersuchung. Ihnen wurden verschiedene abstoßende Bilder gezeigt, während die Wissenschaftler ihre Gehirntätigkeit mithilfe funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT) erfassten. Anschließend erhielten die Probandinnen Pillen des Medikaments „Angostura“ – vermeintlich ein altes südamerikanisches Heilmittel, das gegen Ekelsymptome wie Übelkeit und Erbrechen wirkt. Tatsächlich enthielten die Pillen nichts anderes als Kieselerde.
Dennoch berichteten alle Teilnehmerinnen in einer weiteren Testung nur halb so intensive Abscheu vor den abstoßenden Bildern wie vor der „Angostura-Therapie“.
Zudem stellten die Wissenschaftler Veränderungen der Gehirnaktivität und des Zusammenspiels einzelner Gehirnareale fest. Unter anderem hatte die Aktivität in der Insula, die an Ekelprozessen maßgeblich beteiligt ist, signifikant abgenommen. Des Weiteren wiesen die Areale, die für die frühe visuelle Verarbeitung, die Dekodierung von Reizeigenschaften wie Farbe und Form, zuständig sind, eine veränderte Aktivität auf.
Den Forschern zufolge weist dies darauf hin, dass die Probandinnen die Ekelbilder tatsächlich anders sahen.
Placebos sind vor allem in der Schmerzforschung ein probates Mittel, um negative Empfindungen unbewusst zu verändern. Die Ergebnisse der Grazer Forscher zeigen, dass sie auch im Bereich der Regulierung von Emotionen eingesetzt werden könnten. Damit liefert die Untersuchung wichtige Ansätze für neue Therapiemöglichkeiten. Placebos könnten, nach Ansicht der Wissenschaftler in Psychotherapien als ein erster Schritt eingesetzt werden, da sie nach entsprechender Aufklärung den Patienten ihre Selbstheilungskräfte verdeutlichten.

Literatur
Schienle, A., Übel, S., Schöngassner, F., Ille, R., Scharmüller, W. (in press). Disgust regulation via placebo: An fMRI study. Social, Cognitive and Affective Neuroscience.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Foto © Rachael Towne / flickr.com unter CC BY 2.0

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