Powerpoint kann Lernen behindern

Powerpoint-Präsentationen bringen oft keinen zusätzlichen Nutzen und können das Lernen sogar behindern, fanden Bildungsforscher der Ludwig-Maximilians-Universität München heraus.

Fast kein Vortrag – ob in der Wissenschafts- oder in der Geschäftswelt – kommt heute mehr ohne eine Powerpoint-Präsentation aus. Die digital erstellten Folien sollen das Gesagte unterstützen und illustrieren und so nicht nur den Vortrag interessanter und kurzweiliger machen, sondern auch zu einem besseren Verständnis bei den Zuhörern führen. Bildungsforscher der Ludwig-Maximilians-Universität München beleuchteten nun die Studienlage zum Wissenserwerb bei Vorträgen und kamen zu ernüchternden Ergebnissen.

In einer groß angelegten Metaanalyse fassten sie alle seit Mitte der 1990er-Jahre erschienenen wissenschaftlichen Untersuchungen zusammen, die den Lernerfolg bei Präsentationen mit und ohne digitale Folien miteinander verglichen – insgesamt rund 40 Studien.

Die Analyse ergab, dass es keinen nennenswerten Unterschied für den Wissenserwerb machte, ob Powerpoint-Folien gezeigt wurden oder nicht: Die Zuhörer lernten zwar etwas mehr, wenn der Vortragende Folien einsetzte, der Effekt war jedoch sehr klein und trat zudem nur dann auf, wenn die Folien ausschließlich Text enthielten. Sobald Tabellen oder Grafiken, Töne, Videos oder animierte Folienübergänge genutzt wurden, hatten die Folien keine positive Wirkung.

Diese Erkenntnis bestätigt die Ergebnisse der eigenen Studien der Münchner Bildungsforscher: In verschiedenen Labor- und Feldexperimenten hatten sie den Wissenserwerb von Studierenden bei Lehrveranstaltungen mit und ohne Powerpoint-Präsentation untersucht. Neben Methoden der Befragung wurden auch Eye-Tracking-Geräte zur Erfassung der Blickbewegungen genutzt sowie die Notizen der Studienteilnehmer analysiert.

Die Untersuchungen zeigen, dass die Studierenden sich in Vorlesungen mit Powerpoint-Präsentation durch die Folien ablenken ließen und am Ende oft weniger der rein mündlich vermittelten Informationen erfasst hatten. Die Wissenschaftler erklären dies dadurch, dass die Zuhörer die mündlichen Informationen als sekundär im Vergleich zur Botschaft der Folien einschätzten. Entsprechend fanden sich in den Notizen der Studierenden häufiger Punkte aus den Folien als aus dem eigentlichen Vortrag. Aus diesem Grund gerate das Gehörte leichter in Vergessenheit.

Der Grund für die fehlende Effektivität digitaler Präsentationen sei, nach Ansicht der Wissenschaftler, letztendlich auch darin zu suchen, wie diese eingesetzt würden: Oftmals enthielten sie unübersichtliche Informationen oder schlichtweg den gesamten Vortragstext. Günstiger sei es, nur das auf Folien zu präsentieren, was visuell besser vermittelt werden könne als sprachlich. Entsprechend müsse auch nicht alles Gesagte untermalt werden: Ein vielversprechender Ansatz sei es, visuelle Hilfsmittel nur an wenigen Stellen einzusetzen und zwischendurch schwarze Folien einzuschieben. Das lenke die Aufmerksamkeit des Publikums wieder auf den mündlichen Vortrag.

Literatur
Wecker, C. (2012). Slide presentations as speech suppressors: When and why learners miss oral information. Computers & Education, 59 (2), 260-273.


Weiterführende Links

Interview mit Studienleiter Christof Wecker


15. Juli 2014
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Foto © Kzenon/Fotolia.com


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