Psychopathie als Erfolgsfaktor?

Psychopathie kann zu beruflicher Spitzenleistung führen – ohne dabei andere oder das Unternehmen zu schädigen. Dies wiesen Psychologen der Universität Bonn nach.

Personen mit psychopathischen Eigenschaften gelten als kalt, durchtrieben und manipulativ. Sie verspüren keine Reue oder Schuldgefühle – obwohl sie oft auf Kosten anderer leben. Menschen mit dieser Persönlichkeitsausprägung kommen auf der Karriereleiter dennoch häufig besonders weit, da sie risikobereit, charmant und rücksichtslos zugleich sind. Sie stehen aber auch im Ruf, schädlich für Unternehmen zu sein: Das reicht von riskanten Alleingängen über die Schädigung von Mitarbeitern bis hin zum Drogen- und Alkoholkonsum. Eine Studie von Psychologen der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn erschüttert nun dieses Bild zu einem gewissen Grade.

Eigen- und Fremdeinschätzungen

Die Wissenschaftler befragten Angestellte aus verschiedensten Tätigkeitsbereichen hinsichtlich ihrer persönlichen Eigenschaften, ihrer Bildung und ihrer Psychopathie-Ausprägung. In einem nächsten Schritt sollten dann jeweils zwei Kollegen zu den Arbeitsleistungen und zum Sozialverhalten der Studienteilnehmer Auskunft geben. Insgesamt wurden 161 dieser Angestellten-Kollegen-Beziehungen untersucht.

Toxische und gutartige Psychopathie

Die Ergebnisse bestätigten die bisher wenig beachtete Theorie, dass Psychopathie zwar zu antisozialem Verhalten führen kann, aber nicht muss: Nur die „toxische Form“ von Psychopathie sei demnach durch antisoziale Impulsivität gekennzeichnet. Die potenziell „gutartige Form“ von Psychopathie könne hingegen als eine furchtlose Dominanz betrachtet werden. Menschen mit dieser Eigenschaft haben keine Angst, sind stressresistent, verfügen über ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein und gute soziale Fertigkeiten. Dies könne für ihre Umwelt durchaus positiv sein.

Bedeutung der Bildung für erfolgreiche Sozialisation

Ob aus einer Person mit furchtloser Dominanz ein Top-Mitarbeiter wird, hängt, der aktuellen Studie zufolge, von einem wichtigen Faktor ab: Bildung. Während Personen mit furchtloser Dominanz und niedriger Bildung Verhaltensweisen an den Tag legten, die Unternehmen schädigen können, wurden entsprechende Personen mit hoher Bildung von ihren Kollegen als tüchtig und in keiner Weise antisozial auffällig beurteilt.

Selbstlose Helden im Alltag

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass Personen mit hoher furchtloser Dominanz, überdurchschnittlicher Intelligenz und einer erfolgreichen Bildungskarriere vor allem auch für emotional schwierige Berufsfelder gut geeignet wären, etwa als Krisenmanager oder Notfallärzte. So könnten Psychopathen zu selbstlosen Helden im Alltag werden.

Literatur
Blickle, G. & Schütte, N. (2017). Trait psychopathy, task performance, and counterproductive work behavior directed toward the organization [Abstract]. Personality and Individual Differences, 109, 225–231.

6. April 2017
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Symbolfoto: © Ina Jungbluth


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