Psychotherapie bei Krankheitsängsten

Bereits nach drei Therapiesitzungen verbessert sich die Lebenssituation von Menschen, die unter Hypochondrie leiden, erheblich, zeigen die ersten Ergebnisse einer Studie der Goethe-Universität in Frankfurt.

Es ist ganz normal, sich von Zeit zu Zeit um die eigene Gesundheit zu sorgen. Bei manchen Menschen geht die Angst vor Krankheit – trotz fehlender objektiver Befunde – jedoch so weit, dass sie sich fast jeden Tag damit beschäftigen, ob sie ernsthaft krank sind. Sie leiden unter einer so genannten Hypochondrie. Betroffene versuchen, ihre Unsicherheit durch intensive Recherchen – zum Beispiel im Internet – und häufige Arztbesuche zu reduzieren, was jedoch selten Erfolg hat. Die Betroffenen werden durch die Rückversicherung des Arztes nur kurzzeitig beruhigt und haben schon bald wieder Zweifel, ob sie auch wirklich gesund sind. Wissenschaftler sehen gerade dieses Rückversicherungsverhalten sowie eine vermehrte Aufmerksamkeit auf körperliche Symptome als wichtige Faktoren für die Aufrechterhaltung von Krankheitsängsten an. Eine Studie der Goethe-Universität in Frankfurt untersuchte nun den Einfluss zweier unterschiedlicher Therapieansätze auf die Ausprägung der Hypochondrie.
36 Patienten mit einer hypochondrischen Störung wurden zufällig zwei verschiedenen Behandlungsansätzen zugeteilt: einer kognitiven Therapie und einer Konfrontationstherapie. Beide Behandlungsangebote umfassten insgesamt 15 Therapiesitzungen, von denen bisher die ersten drei Sitzungen von den Forschern genauer betrachtet wurden.
In der Konfrontationstherapie geht es um die Auseinandersetzung mit den eigenen Ängsten: Die Patienten sollen vermeiden, sich ständig durch Recherchen, bei Angehörigen oder Ärzten rückzuversichern, wie es um ihre Gesundheit steht. Die kognitive Therapie hingegen ist stärker darauf ausgerichtet, die Bewertung von körperlichen Symptomen und die Einschätzung des Risikos von ernsthaften Krankheiten zu verändern. Im Rahmen dieses Ansatzes wird mit den Patienten ein Aufmerksamkeitstraining durchgeführt. Sie sollen lernen, ihre Aufmerksamkeit weg von ihrem einen Körper und hin zu Sinneseindrücken in ihrer Umwelt zu richten.
Beide Therapieformen erbrachten in der Studie der Frankfurter Wissenschaftler ähnliche und überraschend gute Resultate: Bereits nach den ersten drei therapeutischen Sitzungen zeigten die Patienten in Folge der Strategien, die sie in der Therapie erlernt hatten, eine bedeutsame Abnahme von krankheitsbezogenen Ängsten und damit eine Verbesserung ihrer Lebenssituation.
Die Forscher betonen allerdings, dass drei therapeutische Sitzungen natürlich nicht ausreichend seien – zumal die Patienten häufig seit Jahren unter Krankheitsängsten litten.

Literatur
Weck, F., Neng, J. M. B. & Stangier, U. (in press). The effects of attention training on the perception of bodily sensations in patients with hypochondriasis: A randomized controlled pilot trial. Cognitive Therapy and Research.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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