Psychotherapie verändert das Gehirn

Bei Patienten mit einer sozialen Phobie normalisiert Psychotherapie Hirnstrukturen, die in die Emotionsverarbeitung involviert sind. Dies zeigten Forscher der Universität Zürich.

Soziale Ängste, wie etwa davor, vor einer Gruppe oder mit Unbekannten zu sprechen, sind weit verbreitet: Rund jeder Zehnte ist im Laufe seines Lebens von einer sozialen Angststörung betroffen, die ihn im Alltag stark einschränkt. Nachweislich helfen kann den Betroffenen eine Psychotherapie, etwa eine kognitive Verhaltenstherapie: In dieser lernen Patienten neue Strategien im Umgang mit ihren Ängsten. Doch lassen sich die Veränderungen, die mit einer Therapie verbunden sind, auch im Gehirn nachweisen?

Behandlung durch kognitive Verhaltenstherapie


Dieser Frage gingen Wissenschaftler der Universität Zürich in einer aktuellen Studie nach. Vor und nach einer spezifischen zehnwöchigen kognitiven Verhaltenstherapie wurde das Gehirn ihrer insgesamt 33 Studienteilnehmer mittels Magnetresonanztomographie (MRT) auf strukturelle Veränderungen hin untersucht.

Betrachtung relevanter Gehirnareale


Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass es in der Therapiephase bei den Patienten zu strukturellen Veränderungen in Hirnarealen kam, die mit Selbstkontrolle und Emotionsregulation in Zusammenhang gebracht werden. So waren etwa nach der Behandlung tiefe Hirnareale, die an der Emotionsverarbeitung beteiligt sind, stärker vernetzt als zuvor. Je größer der subjektive Behandlungserfolg, also je geringer Ängste, Vermeidungsverhalten und Leidensdruck am Ende der Therapie, desto stärker waren auch die neuronalen Veränderungen ausgeprägt.

Veränderungen im Gehirn normalisiert


Damit glichen sich die neuronalen Strukturen der Probanden im Verlauf der Therapie zunehmend wieder denen an, die Menschen ohne soziale Ängste aufweisen. Die Wissenschaftler schließen aus ihren Ergebnissen, dass Psychotherapie nicht nur auf der subjektiven Ebene Wirkung zeigt, sondern auch in der Lage ist, die durch eine soziale Angststörung ausgelösten Gehirnveränderungen zu normalisieren.

Literatur

Steiger, V.R., Brühl, A.B., Weidt, S., Delsignore, A., Rufer, M., Jäncke, L. et al. (in press). Pattern of structural brain changes in social anxiety disorder after cognitive behavioral group therapy: A longitudinal multimodal MRI study [Abstract]. Molecular Psychiatry.

7. März 2017

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Symbolfoto: © UZH


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