Realistisch und ehrlich

Facebook-Nutzer zeigen sich bezüglich ihres Verhaltens in sozialen Netzwerken realistisch und ehrlich, fanden Psychologen der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster heraus.

Wenn es um die Nutzung sozialer Netzwerke wie etwa Facebook geht, mischen sich in die Diskussion oftmals neben wissenschaftlich belegten Erkenntnissen auch Vorurteile und verzerrte Darstellungen. So ist es eine weit verbreitete Meinung über soziale Netzwerke, dass viele Menschen diese nutzen, um sich selbst in einem optimalen Licht darzustellen. Ebenso vertreten viele die Ansicht, dass sich die Nutzer nicht darüber im Klaren sind, welchen Eindruck sie mit ihrer Selbstdarstellung und den Informationen, die sie preisgeben, auf andere machen. Psychologen der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster gingen in Zusammenarbeit mit Kollegen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Georg-August-Universität Göttingen der Frage nach, was dran ist an diesen Vorurteilen.
Die Forschergruppe befragte zu diesem Zweck über 100 Facebook-Nutzer und analysierte deren Profilseiten im Netzwerk: bezüglich der online gestellten Fotos, der jeweiligen Selbstbeschreibungen, Pinnwandeinträge und verlinkten Freunde.
Es zeigte sich, dass sich die untersuchten Personen auf Facebook relativ authentisch verhielten: Die persönlichen Profilseiten dienten nicht der Selbstidealisierung – vielmehr spiegelten sie die tatsächliche Persönlichkeit der Profilinhaber wider. Zudem hatten die Nutzer einen genauen und realistischen Eindruck davon, wie sie auf andere wirkten. Sie versuchten ferner, nur bezüglich weniger Persönlichkeitsbereiche einen bestimmten Eindruck zu hinterlassen.
Damit sei die Selbstdarstellung, den Forschern zufolge, ehrlicher und realistischer als allgemein angenommen.
Auf Grundlage der Ergebnisse ihrer Analysen konnten die Wissenschaftler zudem erklären, wer auf Facebook wie populär ist: Personen mit einer hohen Bescheidenheit, Gutherzigkeit und einem Fokus auf soziale Gemeinsamkeiten seien demnach sehr beliebt, ebenso wie Menschen mit einer großen Offenheit für neue Erfahrungen und einer gewissen künstlerischen Ader.
Insgesamt sprächen die Ergebnisse dafür, dass soziale Verhaltensweisen und Wahrnehmungen auf Facebook nach ähnlichen Prinzipien funktionierten wie im „realen“ Leben. Wie bei direkten sozialen Begegnungen lägen auch in sozialen Netzwerken starke Unterschiede zwischen Menschen vor, im Hinblick darauf, wie extravertiert oder zurückhaltend, originell oder angepasst, freundlich oder motzig, organisiert oder planlos, selbstbewusst oder selbstmitleidig sie sich verhielten. Zudem sei es sehr unterschiedlich, wie viel und was Personen über sich selbst berichten, wie sie aussehen und welchen sozialen Gruppierungen sie sich anschließen. Auch diese sichtbaren Unterschiede in den Profilen seien jedoch, den Wissenschaftlern zufolge, durch zugrundeliegende Persönlichkeitsunterschiede der Nutzer erklärbar.

Literatur
Stopfer, J. M., Egloff, B., Nestler, S. & Back, M. D. (in press). Personality expression and impression formation in online social networks: An integrative approach to understanding the processes of accuracy, impression management, and meta-accuracy. European Journal of Personality.

Stopfer, J. M., Egloff, B., Nestler, S. & Back, M. D. (2013). Being popular in online social networks: How agentic, communal, and creativity traits relate to judgments of status and liking. Journal of Research in Personality, 47 (5), 592-598.

Quelle: Universität Münster
Foto © facebook-mobile-app-640x340 / Maria Elena,
melenita2012 / flickr.com unter CC BY 2.0

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