Reduzieren „Elternbegleiter“ soziale Ungleichheiten?

Psychologen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg evaluierten das Bundesprogramm „Elternchance ist Kinderchance“.

Bildung beginnt in der Familie – und genau dort setzt das Bundesprogramm „Elternchance ist Kinderchance“ an: Es stellt sozial benachteiligten und bildungsfernen Familien sowie Eltern mit Migrationshintergrund speziell qualifizierte „Elternbegleiter“ an die Seite. Diese sollen informieren, sensibilisieren und anregen, um den Kindern frühzeitig die Chance auf positive Bildungs- und Entwicklungsprozesse zu geben. Psychologen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg evaluierten in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Jugendinstitut e.V. München nun das Programm und prüften, wie groß der Lerngewinn für die Beteiligten ist.

Information und Beratung auf vertrauensvoller Basis

Im Bundesprogramm „Elternchance ist Kinderchance“ wurden zwischen 2011 und 2014 rund 4.300 Fachkräfte, die in der Familienbildung tätig sind, zu Elternbegleitern weiterqualifiziert. Es zeigte sich, dass die betroffenen Familien die Zusammenarbeit zu schätzen wussten: 99 Prozent der Befragten waren mit der Betreuung zufrieden, die Mehrheit sogar sehr zufrieden. Das Verhältnis zu den Elternbegleitern wurde als „vertrauensvoll“ beschrieben. Vor allem das Wissen und das Engagement der Fachleute sowie niedrigschwellige Beratungs- und Förderangebote stießen auf große Akzeptanz und Lob. Aufgrund ihrer diagnostischen Kenntnisse konnten die Begleiter zum Beispiel Sprachdefizite bei Kindern schnell erkennen und entsprechend handeln. Sie unterstützten die Eltern in Bildungsfragen und waren speziell bei hohem Beratungsbedarf stets erreichbar und im Alltag präsent.

Grundsteine der frühkindlichen Bildung

Die Evaluation des Programms zeigte außerdem, dass die Arbeit der Berater auf fruchtbaren Boden fiel: Familien mit Kontakt zu Elternbegleitern nutzen insgesamt mehr Angebote zur Förderung und Bildung der Kinder als Eltern ohne Begleitung. Damit würden, nach Ansicht der Wissenschaftler, Grundsteine der frühkindlichen Bildung gelegt. Die begleiteten Eltern würden angeregt und darin bestärkt, ihrerseits als Bildungsbegleiter der Kinder zu handeln und Möglichkeiten zur Förderung ihrer Kinder besser zu erkennen und zu nutzen.
Besonders dann, wenn die Elternbegleiter selbst einen Migrationshintergrund hatten, konnten sie effektiv dazu beitragen, Ängste zu reduzieren und Mut zu machen.

Insgesamt ziehen die Forscher eine positive Bilanz: Das Bundesprogramm „Elternchance ist Kinderchance“ leiste einen wichtigen Beitrag dazu, Ungleichheiten zu reduzieren und frühkindliche Bildung zu fördern.


11. November 2014
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Foto © Annika Strupkus


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