Schauspieler sehnen sich nach Bewunderung

Ein Team von Psychologen untersuchte in einer aktuellen Studie den Narzissmus von Bühnendarstellern.

Jeden Abend in eine andere Rolle schlüpfen, auf der Bühne gefeiert werden, aber auch schutzlos der Kritik des Publikums ausgeliefert sein: Schauspieler üben einen ebenso faszinierenden wie schweren Beruf aus. Psychologen der Universität Leipzig untersuchten nun zusammen mit Kollegen der Universitäten Münster, Mainz, Chemnitz und Jena das Persönlichkeitsprofil von Schauspielern und dessen Besonderheiten. Besonderes Augenmerk legten sie dabei auf das Persönlichkeitsmerkmal des Narzissmus.

Schauspielstudenten und aktive Schauspieler

In zwei Studien verglichen die Forscher jeweils eine Gruppe von Schauspielern mit einer Vergleichsgruppe. In der ersten Studie baten sie Schauspielstudenten und Studierende anderer Fächer, einen Narzissmus-Fragebogen auszufüllen. In der zweiten Studie legten die Psychologen den Fragebogen einer Gruppe aktiver Schauspieler vor. Zusätzlich befragten sie jeweils einen engen Bekannten, um ein Fremdurteil bezüglich der Persönlichkeit der Schauspieler zu gewinnen.

Nur eine Facette des Narzissmus

Es zeigte sich, dass sowohl die Schauspielstudenten als auch die aktiven Schauspieler ein stärkeres Streben nach Bewunderung und Selbstdarstellung hatten als die jeweilige Vergleichsgruppe – ein zentrales Merkmal des Narzissmus. Dieses war jedoch gepaart mit einer geringeren Neigung, andere Menschen abzuwerten. Neid, Missgunst und Aggressivität, die ebenso als typisch für narzisstische Menschen angesehen werden, sind bei Schauspielern folglich eher unterrepräsentiert. Ein möglicher Grund dafür könnte nach Ansicht der Forscher sein, dass diese Persönlichkeitszüge keine guten Voraussetzungen für ein Zusammenarbeiten und Erfolg auf der Bühne sind.

Literatur

Dufner, M., Egloff, B., Hausmann, C. M., Wendland, L.-M., Neyer, F. J. & Back, M. D. (in press). Narcissistic tendencies among actors: Craving for admiration, but not at the cost of others [Abstract]. Social Psychological and Personality Science.

7. Mai 2015
Quelle: Universität Münster
Foto: © Fanfo – Fotolia.com


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