Schlafen für die Therapie

Eine aktuelle Studie der Universität Bochum belegt: Schlaf fördert den Therapieerfolg bei Phobien.

Die berühmte Couch der Psychotherapeuten könnte in Zukunft eine ganz neue Funktion erfüllen: Nach einer Sitzung zur Behandlung von Phobien, Ängsten und Depressionen könnten Patienten dort ruhen und ein kleines Nickerchen machen. Es ist bekannt, dass Schlaf nach dem Lernen hilft, das unmittelbar zuvor Gelernte besser zu behalten. Bislang wurde dieses Wissen jedoch noch nicht auf die Zusammenhänge des emotionalen Lernens in der Psychotherapie angewandt. Psychologen der Universität Bochum nahmen eben diese zusammen mit Kollegen der Universitäten Zürich, Basel, Salzburg, San Diego und Brüssel unter die Lupe.
In ihrer Untersuchung testeten die Wissenschaftler ihren Ansatz mit einer Gruppe von 40 Spinnenphobikern, sogenannten Arachnophobikern. Phobien sind eine der häufigsten Formen von psychischen Störungen. Fast zehn Prozent der Menschen litten allein im vergangenen Jahr unter Problemen mit diesen intensiven, oft irrationalen Ängsten. Einen wirksamen Therapieansatz stellt die kognitive Verhaltenstherapie dar: Unter Anleitung eines Therapeuten werden die Patienten dabei schrittweise der Situation ausgesetzt, die sie so fürchten und lernen, dass von dieser keine Gefahr ausgeht.
Im Rahmen der Studie der Bochumer Wissenschaftler durchliefen die Teilnehmer zunächst eine Therapiesitzung der „Virtual reality exposure therapy“, bei der die Patienten Computer-Headsets mit kleinen Monitoren tragen, die Bilder von Spinnen zeigten und so die Nähe der Spinnen simulierten. Unmittelbar darauf sollte die Hälfte der Teilnehmer etwa 90 Minuten schlafen, während die andere Hälfte in dieser Zeit eine neutrale Naturdokumentation ansah. Interessanterweise konnten die Teilnehmer der Schlafgruppe tatsächlich schlafen, obwohl man hätte annehmen können, dass sie nach der Therapie zu aufgeregt sein würden. Die Wissenschaftler erklären sich dies mit dem anstrengenden und ermüdenden speziellen Format der Behandlungsform.
Als alle Teilnehmer eine Woche später im Labor einer lebendigen Tarantel ausgesetzt wurden, stellte sich heraus: Diejenigen, die nach der Therapiesitzung konnten berichteten weniger Angst als diejenigen, die wach geblieben waren.
Die Wissenschaftler vermuten einen zweifachen Effekt des Schlafs auf die Erinnerung: Einerseits könne er helfen, Emotionen abzuschwächen, die mit einer bestehenden Erinnerung verknüpft seien, wie etwa der Angst früherer Begegnungen mit Spinnen. Anderseits helfe der Schlaf aber auch, neue Erinnerungen zu speichern – in diesem Fall, dass die Spinnen gar nicht so gefährlich waren. Dieser Prozess der Stabilisierung verlaufe jedoch vermutlich über mehrere Nächte.
Die Forscher hoffen, mit ihrem Ergebnis dazu beitragen zu können, Therapieergebnisse zu verbessern. Und damit auch eine wichtige nichtinvasive Alternative zu den aktuellen Versuchen, die therapeutische Löschung und Verfestigung von Erinnerungen durch Medikamente zu unterstützen, zu liefern.

Literatur
Kleim, B, Wilhelm, F. H., Temp, L., Margraf, J., Wiederhold B. K. & Rasch, B. (in press). Sleep enhances exposure therapy. Psychological Medicine.


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Psychologie
Foto © Spiderweb / 55Laney69 / flickr.com unter CC BY 2.0


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