Schlaftraining für Kinder und Jugendliche

Schlafstörungen sind unter Kindern und Jugendlichen weit verbreitet. In den meisten Fällen kann ein gezieltes Schlaftraining innerhalb kurzer Zeit Abhilfe schaffen. Ein erfolgreiches Programm wird aktuell an der Universität Würzburg durchgeführt. Viele Kinder und Jugendliche leiden zumindest zeitweise unter Schlafstörungen. Studien zufolge haben rund 30 Prozent aller 13- bis 25-Jährigen Probleme mit dem Ein- oder Durchschlafen; zwischen vier und zehn Prozent unter ihnen leiden an Schlaflosigkeit. Bei den Fünf- bis Zehnjährigen schwanken die Schätzungen zwischen 20 und 43 Prozent. Die Psychologinnen Karoline Roeser und Barbara Schwerdtle bieten Hilfe für solche Fälle an – ein Schlaftraining für Kinder und Jugendliche. Das Training wurde an der Universität Tübingen unter der Leitung von Dr. Angelika Schlarb und Prof. Dr. Martin Hautzinger entwickelt. Nun wird es am Lehrstuhl für Psychologie I – Interventionspsychologie in Würzburg durchgeführt.

Am Anfang eines jeden Trainings steht ein ausführliches Gespräch. Dabei lassen sich die beiden Psychologinnen die Probleme detailliert schildern. Besteht der Verdacht, dass ein organisches Problem Auslöser der Schlafstörungen ist, schicken sie den Betroffenen zum Arzt oder ins Schlaflabor. Für die anderen beginnt das Training.
Sechs Sitzungen, die jeweils 100 Minuten dauern, reichen nach den Erfahrungen der beiden aus, um die Schlafprobleme dauerhaft zu beseitigen. „Unsere Therapie ist eine Kombination aus Verhaltens- und Hypnotherapie“, erläutert Karolin Roeser. 
Zunächst einmal werfen die Teilnehmer einen genauen Blick auf ihr Bett, dessen Umgebung und ihre Gewohnheiten. „Die Jugendlichen bekommen dann von uns die Hausaufgabe, an ihrer Schlafumgebung das zu verändern, was sie stört“, berichtet Barbara Schwerdtle. Auch Kinder sollen ihren Eltern sagen, was ihnen an ihrem Bett gefällt und was nicht. Die Folge sei häufig ein „Familienausflug ins Möbelhaus“, so Karolin Roeser. 

Im hypnotherapeutischen Teil des Trainings lernen die Teilnehmer, zu entspannen und abzuschalten. Bewusste Atemtechniken gehören genauso dazu wie Fantasie- oder Trancereisen, die mit einer bestimmten therapeutischen Botschaft kombiniert sind. 
„Kinder werden im Laufe des Trainings selbstständiger und unabhängiger. Sie lernen, ihr eigenes Ich zu stärken“, sagt Barbara Schwerdtle. Und wer auf seine eigenen Kräfte und Fähigkeiten vertraut, der braucht auch nicht mehr die Mama oder den Papa an seiner Seite, wenn es ans Einschlafen geht. 
Jugendliche hingegen lernen im hypnotherapeutischen Teil beispielsweise, wie sie einen Ort finden, an dem sie ihre Sorgen und Nöte deponieren können, bevor endlose Grübeleien sie am Einschlafen hindern.
Mehr als 30 Kinder und Jugendliche haben Karolin Roeser und Barbara Schwerdtle inzwischen trainiert – mit großem Erfolg: „Bei den Kindern zeigen sich spätestens drei Monate nach Trainingsende keine Schlafstörungen mehr“, sagt Schwerdtle. Bei den Jugendlichen gehe es nicht ganz so schnell, ergänzt Roeser. Doch auch bei ihnen sei in der Regel nach drei Monaten das Hauptproblem gelöst.


23. März 2011
 Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, Universität Tübingen, Universität Würzburg