Schüleraustausch macht Jugendliche selbstbewusster

Ein Austauschjahr beeinflusst den Selbstwert von Schülern positiv. Zu diesem Ergebnis kam eine aktuelle Studie von Psychologen der Westfälische Wilhelms-Universität Münster.

Für ein Schuljahr in die USA, nach Frankreich, England, Kanada oder Australien – davon träumen viele Jugendliche. Dass ein Schüleraustausch sich nicht nur auf die Sprachkenntnisse positiv auswirkt, fanden nun Psychologen der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster in Zusammenarbeit mit Kollegen der Humboldt Universität zu Berlin, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sowie der Utrecht University (Niederlande) heraus.

Die Wissenschaftler untersuchten in einer aktuellen Studie, wie sich der Selbstwert von Schülern während eines Austauschjahres verändert. Sie befragten dafür 876 im Durchschnitt 16-jährige Schüler, die ein gesamtes Schuljahr im Ausland verbrachten: vor, während und direkt nach dem Aufenthalt sowie ein Jahr später. Als Vergleichsgruppe wurden 714 Schüler in die Studie aufgenommen, die während der gesamten Zeit in Deutschland blieben.

Nachhaltig höherer Selbstwert

Es zeigte sich, dass die Jugendlichen, die eine Zeit im Ausland verbracht hatten, sich anschließend in einem positiveren Licht als zuvor sahen – eine Veränderung, die auch noch ein Jahr nach dem Schüleraustausch erhalten blieb. Besonders stark war der Effekt bei jenen Jugendlichen, die vor dem Auslandsaufenthalt ein weniger positives Bild von sich gehabt hatten. Eine vergleichbare Selbstwertveränderung war bei den daheimgebliebenen Mitschülern nicht zu beobachten.

Neue Freundschaften und sozialer Anschluss


Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die sozialen Beziehungen im Gastland eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Selbstwertes spielen. So zeigten die Schüler, die sich während des Aufenthalts sozial eingebettet fühlten und neue Freundschaften knüpften, auch einen stärkeren Anstieg im Selbstwert.

Generell aber habe ein Schüleraustausch bleibende positive soziale und persönliche Konsequenzen und könne sich günstig auf die Entwicklung von Jugendlichen auswirken.

Literatur
Hutteman, R., Nestler, S., Wagner, J., Egloff, B. & Back, M. D. (in press). Wherever I may roam: Processes of self-esteem development from adolescence to emerging adulthood in the context of international student exchange. Journal of Personality and Social Psychology.


9. September 2014
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Foto © Susanne Koch


Weitere Nachrichten zum Thema
Soziale Phobien bei Jugendlichen weit verbreitet
Lebenskompetenztraining schützt Kinder und Jugendliche vor Drogenmissbrauch
Bildungsorientierte Freizeit